Prozess nach Siegaue-Vergewaltigung geht weiter: Die Opfer finden einfach keine Ruhe

Die Verhandlungen im Prozess gegen den Siegauen-Vergewaltiger gehen weiter.
Die Verhandlungen im Prozess gegen den Siegauen-Vergewaltiger gehen weiter.
© dpa, Henning Kaiser, hka gfh

18. September 2018 - 18:54 Uhr

Bonner Landgericht muss den Fall erneut prüfen

Der Prozess um den Siegauen-Vergewaltiger geht in die nächste Runde: Der 32-jährige Mann hatte sich im April 2017 an einer Camperin in der Bonner Siegaue vergangen. Eric X. steht nun erneut vor dem Bonner Landgericht. Die Richter müssen sich einigen, ob der Mann bei der Tat vermindert schuldfähig war. Falls ja, könnte seine Strafe reduziert werden. Für das Paar, das der Mann überfallen hat, wäre das ein absouter Albtraum. Sie würden gerne mit allem abschließen, aber der Prozess reißt alle Wunden wieder auf.

Der 32-Jährige soll eine Persönlichkeitsstörung haben

Im vergangenen Oktober hatte das Landgericht den abgelehnten Asylbewerber aus Ghana wegen besonders schwerer Vergewaltigung und räuberischer Erpressung zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte legte daraufhin Revision ein – und hatte teilweise Erfolg: Laut des Bundesgerichtshofs (BGH) habe das Bonner Landgericht nicht ausreichend dargelegt, inwieweit sich die Persönlichkeitsstörung von Eric X. nicht auf die Tat ausgewirkt habe. Aufgrund dessen muss nun die Schuldfähigkeit des 32-Jährigen erneut geprüft und das Strafmaß neu festgelegt werden.

Der Verurteilte bestritt die Tat im Prozess

Den Schuldspruch bestätigten die BGH-Richter jedoch. Demnach hatte der 32-jährige Verurteilte ein Paar aus Freiburg beim Zelten überfallen, es mit einer Astsäge bedroht und die Frau vergewaltigt. Im Prozess bestritt der Ghanaer die Tat, doch DNA-Spuren überführten ihn.

Auf Grundlage eines psychiatrischen Gutachtens hatte das Landgericht eine Persönlichkeitsstörung bei dem Asylbewerber angenommen. Ob dies Eric X. bei der Tat beeinflusst habe, sah der BGH nicht ausreichend belegt. Im Revisionsprozess wird ein neues psychiatrisches Gutachten ausschlaggebend dafür sein, ob die Strafe verringert wird.

Im ersten Prozess fiel Eric X. immer wieder unangenehm auf, weil er sich aufbrausend und aggressiv verhielt. Auch im Gefängnis gab es einen Zwischenfall. In der Zelle des 32-Jährigen brach ein Feuer aus. Der Häftling und zwei weitere Menschen wurden verletzt. Nach Ansicht der Kölner Staatsanwaltschaft hat der Ghanaer das Feuer selbst gelegt. Darum läuft parallel noch ein Verfahren wegen schwerer Brandstiftung gegen ihn.

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"Wenn ich heulen und kotzen gleichzeitig könnte, so hätte ich das getan"

Die Richter verlasen im Revisionsprozess auch eine bedrückende persönliche Erklärungen der Opfer, in denen diese ausführlich berichten, wie es ihnen in den vergangenen Monaten ergangen ist. An normalen Alltag ist für die beiden Freiburger, die in der Siegaue gecampt hatten, kaum zu denken. Beide leiden nach wie vor stark unter den Geschehnissen, haben Angstzustände, mussten ihr Studium unterbrechen und finden keine Ruhe.

"Stellen Sie sich vor, Sie versuchen ans Ufer zu schwimmen, und jedes Mal, wenn Sie fast da sind, kommt eine Welle und zieht Sie zurück" - so beschreibt die junge Frau ihre vergeblichen Versuche, ihr Leben nach der Vergewaltigung wieder in den Griff zu bekommen. Sie sei fassungslos gewesen, als sie erfuhr, dass der Bundesgerichtshof die Überprüfung des Urteils gegen ihren Peiniger angeordnet hatte. "Wenn ich heulen und kotzen gleichzeitig könnte, so hätte ich das getan", sagte sie.