Prozess nach Attacke Leimen

Angeklagte hetzten Kampfhunde auf 15-Jährigen: „Meine Nasenspitze war ab“

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3. Dezember 2019 - 21:16 Uhr

Wegen schwerer Körperverletzung angeklagt

Heute startete der Prozess um die Kampfhund-Attacke auf einen Jugendlichen in Leimen. Marvin B. (22) und Berke C. (17) stehen vor Gericht weil sie zwei Kampfhunde auf den 15-Jährigen Nino gehetzt haben sollen. Den Tatvorwurf haben sie während der Verhandlung heute eingeräumt. Sie müssen sich wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht Heidelberg verantworten. Die Hunde, zwei American Staffordshire Terrier, gehören Berkant C. (22), dem Bruder des 17-Jährigen Hauptangeklagten. Er steht wegen fahrlässiger Körperverletzung ebenfalls vor Gericht.

Opfer musste in einer Spezialklinik behandelt werden

Am 10. Juni 2019 fuhr der 15-Jährige Nino wohl mit seinem Fahrrad an Marvin B. und Berke C. vorbei. Weil er sie dabei angeblich provozierte, sollen die beiden ihre Kampfhunde, die nicht angeleint waren und keinen Maulkorb trugen, auf den Teenager gehetzt haben. Den Angriff filmten sie sogar. Die Hunde verletzten Nino so schwer im Gesicht, dass er später in einer Spezialklinik behandelt werden musste.

Opfer konnte nach dem Kampfhund-Angriff eine Woche lang nicht schlafen

Nino geht es gesundheitlich wieder besser. Er ist sogar zum Prozess gekommen, um seine Aussage zu machen. "Ich habe versucht, mich zu beschützen und weiter zu fahren. Dann haben mich die Hunde herunterzogen und gebissen." Besonders seine Hand habe ihm wehgetan. "Ich habe die ganze Zeit gesagt, dass ich meine Hand nicht mehr spüre. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Ich war fast 14 Tage im Krankenhaus. Meine Nasenspitze war ab. Nach dem Vorfall konnte ich eine Woche lang nicht schlafen."

Hauptangeklagter in psychischer Behandlung

Die mutmaßlichen Täter wirken im Gerichtsaal unruhig, sprechen regelmäßig mit ihren Anwälten. Einer der Beschuldigten ist zu nervös, um seinen Lebenslauf vorzulesen. Das muss sein Anwalt machen. Alle Angeklagten entschuldigen sich beim Opfer. Niemand habe die Absicht gehabt, Nino ernsthaft zu verletzen. "Ich will mich entschuldigen, ich schäme mich dafür, was passiert ist", sagte Berke C. Marvin hätte niemals gedacht, dass so etwas wirklich passieren könnte. "Ich kannte die Hunde nicht. Ich war nur einmal mit ihnen Gassi. Es tut mir leid", erklärt er vor Gericht. Das Urteil wird voraussichtlich am 9. Dezember fallen.