Angeklagter im Fall Johanna Bohnacker gesteht nur Entführung, nicht den Mord

Johanna verschwand im September 1999 aus Hessen.
Johanna verschwand im September 1999 aus Hessen.
© picture-alliance / dpa, DB Polizei, lf/rf

09. Mai 2018 - 23:02 Uhr

Entführung ja, Mord nein

Das Bild der kleinen Johanna Bohnacker ging im Sommer 1999 weltweit durch die Medien. Das damals achtjährige Mädchen aus Ranstadt in der Wetterau soll vom Radweg entführt, sexuell missbraucht und getötet worden sein. So zumindest legt es ihm die Staatsanwaltschaft zur Last. Nun - 19 Jahre später - hat der mutmaßliche Mörder gestanden, das Mädchen entführt zu haben. Der Tod des Kindes sei ein Unfall gewesen. Sexuellen Missbrauch habe es nie gegeben.

"Ich wollte dieses Mädchen haben."

Den Tod des Kindes habe er "nicht geplant und noch nicht einmal in Kauf genommen", sagt der 42 Jahre alte Deutsche vor Gericht. Nach seinen Schilderungen starb das Kind durch eine Art Unfall in seinem Kofferraum. Der Angeklagte will sich an Johanna auch nicht vergangen haben. Allerdings, räumt er ein, habe er so etwas am Tattag zunächst vorgehabt.

Am Tattag habe er Drogen genommen und sei dann mit seinem Auto durch die Gegend gefahren, sagt der Mann aus Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis). Spätestens unterwegs sei ihm die Idee eines Übergriffs gekommen. Er habe Johanna gesehen und zunächst gedacht, sie sei ein Teenager. Wegen der Drogen sei er plötzlich stark erregt gewesen. "Ich wollte dieses Mädchen haben." Für Johanna begann damit ein offenbar stundenlanges Martyrium.

der Angeklagte Rick J. mit seinen Verteidigern Mordprozess im Fall Johanna Bohnacker
Der Angeklagte mit seinen Verteidigern im Mordprozess im Fall Johanna Bohnacker.
© imago/Schepp, Michael Schepp, imago stock&people

Der Angeklagte habe erst später realisiert, dass Johanna noch ein Kind war

Dem Angeklagten zufolge betäubte er das Kind mit Chloroform und fesselte und knebelte es später. Gefangen im Kofferraum fuhr er das Mädchen durch die Wetterau. Als er nach einer Weile den Kofferraum geöffnet habe, habe Johanna geschrien. Daher habe er ihr seine flache Hand ins Gesicht gedrückt. Der Mann fesselte das Kind nach eigener Aussage mit einem Seil und Paketklebeband. Er umwickelte Augen, Mund und Kopf mehrfach und nutzte auch ein Panzerband. Er habe sicher gehen wollen, dass Johanna ihn nicht erkennen und entkommen könne.

Der Angeklagte setzte die Fahrt fort - nun nach eigenen Worten nicht mehr mit dem Gedanken, sich an dem Mädchen zu vergehen. Denn er habe erkannt, dass Johanna noch ein Kind sei. Er habe dann einen geeigneten Ort gesucht, um sie freizulassen. Als er den Kofferraum erneut geöffnet habe, sei das Mädchen tot gewesen. "Ich habe völlig panisch dagestanden und überlegt, was ich jetzt tun soll." Er legte die Leiche schließlich in einem Waldstück im Vogelsbergkreis ab.

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Richterin: "Ich glaube Ihnen kein Wort"

Aus Sicht des Gerichts verstrickt sich der Angeklagte während seiner Aussage mehrfach in Widersprüche: "Ich glaube Ihnen kein Wort", sagt die Vorsitzende Richterin zwischendurch. Sie hält dem 42-Jährigen vor, dass er nach seiner Festnahme bei der Polizei teils abweichende Angaben zum Geschehen gemacht habe. Die Widersprüche erklärt der 42-Jährige mit seinem Drogenkonsum zur Tatzeit und Erinnerungslücken nach so vielen Jahren. Bei der Polizei sei er erstmals wieder mit dem "Albtraum" konfrontiert worden, den er zu verdrängen versucht habe.

Der Angeklagte wurde im vergangenen Oktober festgenommen. Ermittlungen in einem anderen Missbrauchsfall und die Analyse alter Spuren mit neuer Technik brachten die Ermittler auf die Spur des 42-Jährigen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: DPA, RTL.de