Prozess: Japan wegen illegaler Waljagd angeklagt

Ein Mann schlachtet einen Baird-Schnabelwal in Wada, Japan.
Ein Mann schlachtet einen Baird-Schnabelwal in Wada, Japan.
© dpa, epa Franck Robichon

31. März 2014 - 19:41 Uhr

Japan soll Wale zu kommerziellen Zwecken getötet haben

Wenn sich die Harpunen in ihr Fleisch bohren, färbt sich das Wasser rot. Allein letztes Jahr tötete Japan über hundert Wale – angeblich zu wissenschaftlichen Zwecken. Australien und Neuseeland halten das für eine Lüge. Sie haben das Land wegen kommerziellen Walfangs verklagt und wollen vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein Ende der grausamen Jagd erzwingen.

So fangen und töten japanische Walfänger trotz internationaler Proteste seit mehr als 25 Jahren Wale im Südpazifik. Die Meeressäuger sind eigentlich international geschützt, doch die Japaner nutzen ein Schlupfloch im 1986 beschlossenen 'Internationalen Übereinkommen zur Regelung des Walfangs'. Denn: "Artikel VIII der Konvention erlaubt Walfang zu Wissenschaftszwecken", sagt Taku Sasaki, Sprecher der japanischen Fischereibehörde.

Die Frage aber ist, ob Japan Wale tatsächlich nur aus diesem Grund tötet. William Campbell, Rechtsvertreter Australiens, hält diese Aussage für eine Lüge: "Japan verfolgt unter dem Vorwand der wissenschaftlichen Forschung rein kommerzielle Interessen." Und auch Australiens Chefankläger Mark Dreyfus möchte durch den Prozess "ein für alle Mal feststellen, dass der japanische Walfang gegen internationales Recht verstößt."

Tierschützter und RTL-Reporter Burkhard Kress weiß, dass Wale nicht ohne Grund geschützt sind: "Viele Populationen wie zum Beispiel die Bartenwale sind dramatisch geschrumpft, und obwohl das Südpolarmeer bereits 1994 zum Walschutzgebiet erklärt wurde, sind die Meeresriesen hier nicht sicher." Dabei sei Südpolarmeer das unberührteste aller Meere und gehöre zu den letzten Rückzugsräumen auf unserem Planeten - als Lebensraum für viele bedrohte Wal- und Pinguinarten.

"Es ist ein Schatz der Natur, für dessen Schutz wir alle kämpfen müssen, schon deshalb, weil zum Beispiel Finnwale sich nur sehr langsam fortpflanzen bei einer Tragzeit von 12 Monaten und erst mit sechs bis zehn Jahren geschlechtsreif werden", so Kress. Sie sterben also oft noch bevor sie sich fortpflanzen, können nichts gegen ihre Ausrottung ausrichten.

Trotzdem tötet Japan Walen – laut Australien und Neuseeland aus kommerziellem Interesse. Zwar stellt das Land laut einer Sprecherin des Walforschungsinstituts (ICR) in Tokio die Ergebnisse seiner Forschung der Walfangkommission zur Verfügung, Sasaki musste aber einräumen, dass "die Nebenerzeugnisse des wissenschaftlichen Walfangs natürlich verkauft werden dürfen." Die Nebenerzeugnisse, das waren im vergangenen Jahr 103 Zwergwale, die japanische Schiffe aus dem Südpazifik gezogen hatten.

RTL-Reporter und Tierschützer Burkhard Kress: "Das Gemetzel auf hoher See muss ein Ende haben"

Tatsächlich ist dies wegen den Ausnahmeregelungen legal. "Australien argumentiert aber, dass Japan dieses Recht missbraucht und im Namen der Wissenschaft in Wirklichkeit kommerziell fischt", sagt Don Anton, Jura-Professor an der Australian National University in Canberra. Das Paradoxe: Die Japaner selbst sind gar nicht mehr so heiß auf Walfleisch. "Die Essensgewohnheiten haben sich geändert", sagt Sataki. Nur in einigen Gegenden sei das Fleisch noch gefragt.

Viel Walfleisch werde heute in Schulkantinen verarbeitet. Die Lagerbestände seien in diesem April auf knapp 4.000 Tonnen gestiegen. Vor gut zehn Jahren war es zum gleichen Zeitpunkt etwa die Hälfte. Tierschützer sagen, dass einflussreiche Bürokraten wie ehemalige Beamte aus dem Fischereiministerium den Walfang dennoch am Laufen halten, um so ihre Arbeitsplätze im Walforschungsinstitut zu sichern.

Diese haben sich 2011 sogar 2,3 Milliarden Yen (17,9 Millionen Euro) aus dem Sondertopf für den Wiederaufbau nach dem Tsunami gesichert - für "Walfang zu Wissenschaftszwecken" und Schutzmaßnahmen gegen die Walgegner, sagt Sataki. Und das obwohl es eigentlich nicht mal einen Zusammenhang zwischen Tsunami und Walfang gibt.

Das Urteil des Gerichtshofs könnte noch in diesem Jahr fallen, kurz vor Beginn der neuen Walfangsaison im Januar. "Das könnte das Ende dieser Schwindelnummer im Namen der Wissenschaft sein", hofft Australiens Greenpeace-Sprecher Nathaniel Pelle. Laut Don Anton, ist viel mehr aber auch nicht möglich: "Wenn der Gerichtshof zustimmt, könnte er die Fangmengen begrenzen, aber nicht den Walfang per se." Immerhin räumt er Australien und Neuseeland eine 50-prozentige Siegchance ein.

Da der Ausgang aber ungewiss ist, erklärte sich die Tierschutzorganisation 'Sea Shepherd International' wieder bereit, gegen die japanische Flotte anzutreten: "Wir planen unsere umfangreichste Aktion: 'Operation gnadenlos'", sagt Sprecher Adam Burling. 'Sea Sheperd' hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren 4.000 Wale gerettet. Der Kampf für die Wale dauert wohl noch lang. So fangen Norwegen und Island sogar ganz offiziell Wale, weil sie Einspruch beziehungsweise Vorbehalt gegen das Walfang-Moratorium eingelegt haben und sich deshalb nicht daran gebunden fühlen.

RTL-Reporter Burkhard Kress hat die Hoffnung an eine bessere Zukunft dennoch noch nicht aufgegeben. "Ich wünsche mir, dass Paul Watson und seine Umwelt-Aktivisten, die den Walfängern mit ihrem Schiff 'Sea Shepherd' seit Jahren furchtlos entgegen treten, dauerhaft 'arbeitslos' werden, weil die Australier sich vor dem Internationalem Gerichtshof durchsetzen können. Das Gemetzel auf hoher See muss endlich und für immer ein Ende nehmen."