Prozess in Wuppertal um Mord ohne Leiche: Was geschah mit der sechsfachen Mutter Hanaa S.?

Der Ehemann der verschwundenen sechsfachen Mutter Hanaa S, beim Prozessauftakt im Wuppertaler Landgericht.
Der Ehemann der verschwundenen sechsfachen Mutter Hanaa S, beim Prozessauftakt im Wuppertaler Landgericht.
© dpa, Bernd Thissen

01. Juli 2016 - 12:09 Uhr

Anklage: Mordkomplott, um "Familienehre wiederherzustellen"

Seit April letzten Jahres fehlt von Hanaa S. jede Spur. Die Staatsanwaltschaft ist sicher, dass ihr Ehemann und vier weitere Familienmitglieder die 35-Jährige ermordet haben. Nun beginnt der Prozess, der bis Ende November an 47 Verhandlungstagen Klarheit zum Schicksal der sechsfachen Mutter bringen soll.

Auf der Anklagebank müssen sich neben dem Ehemann der Verschwundenen ihr Sohn sowie zwei Brüder und eine Schwester des Ehemannes verantworten. Sie sollen ein Mordkomplott gegen das Opfer aus dem Irak geschmiedet haben, um "die Familienehre wiederherzustellen", wie es in der Anklage heißt.

Wie der WDR mit Verweis auf Aussagen der Ermittler berichtet, soll die Familie aus dem Irak zu einer jesidischen Glaubensgemeinschaft gehören. Das Zusammenleben in Düsseldorf sei geprägt von einem konservativ-patriarchalischen Familienbild. Von all dem habe sich Hanaa S. lösen wollen. Sie selbst war im Alter von 15 Jahren zwangsverheiratet worden.

Hanaa S. trennte sich von ihrem Ehemann und verschwand daraufhin am 21. April 2015 spurlos. Die Fahnder konnten sie bislang weder tot noch lebendig wiederfinden.

Ehemann soll Hanaa S. letztlich umgebracht haben

Die Angeklagten sind zwischen 18 und 41 Jahre alt. Zwei von ihnen - darunter ihr Sohn - sollen Hanaa S. an jenem Tag in deren Wohnung aufgelauert haben, wo es laut Staatsanwaltschaft zu einem Kampf kam. Anschließend sollen sie die Frau in einen Teppich gewickelt und in den Hildener Stadtwald gefahren haben. Dort soll ihr Ehemann entweder den bereits zuvor bei dem Kampf eingetretenen Tod seiner Frau festgestellt oder diese selbst umgebracht haben.

In den folgenden Monaten hatte die Polizei mit Hilfe von Einsatzhundertschaften, Polizeitauchern und der Fliegerstaffel zahlreiche Gewässer und Wälder in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg abgesucht. Beamte der Tatortgruppe 'Forensische Archäologie' des Bundeskriminalamts suchten in einem Wald im Norden Baden-Württembergs, wo die Leiche offenbar weiterhin vermutet wird.