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Prozess in Oldenburg: Messerangriff auf Wildpinkler - "Die Hose war noch offen"

Messerangriff auf Wildpinkler - jetzt kommt der Prozess
Messerangriff auf Wildpinkler - jetzt kommt der Prozess Opfer wünscht sich Stellungnahme vom Angeklagten 01:05

Opfer wünscht sich Aussage vom mutmaßlichen Täter

Viele Städte haben Ärger mit Wildpinklern. Auch manchen Bürger treiben Männer, die sich an Bäumen oder Hauswänden erleichtern, zur Weißglut. In Oldenburg steht ein 30-Jähriger nun vor Gericht, weil er einem Jugendlichen ein Messer in den Rücken gerammt haben soll. Und das, weil dieser wild pinkelte. Jetzt fordern das Opfer und sein Anwalt, dass der Tatverdächtige mindestens einmal Stellung zu dem Angriff beziehen sollte.

Schweigen am ersten Prozesstag

In der niedersächsischen Stadt eskalierte ein Streit so sehr, dass ein junger Pinkler wochenlang im Koma lag. "Sein Leben konnte nur durch mehrere Operationen gerettet werden", erklärte Staatsanwältin Gesa Weiß. Der 30-jährige Angeklagte muss sich dort für versuchten Totschlag verantworten. Am ersten Prozesstag schwieg er zu den Vorwürfen.

Er hatte fünf, sechs Biere - das Opfer sagte aus

An jenem Abend Anfang März wollte der Jugendliche mit zwei Freunden in der Innenstadt feiern gehen. Fünf bis sechs Bier hatte jeder von ihnen getrunken, wie der heute 18-Jährige vor Gericht aussagte. Weinend schilderte er, was damals geschah. Immer wieder versagte ihm dabei die Stimme: Vor dem Lokal stand eine lange Schlange, und die Blasen der drei drückten. Also gingen sie zu einem Parkplatz in der Nähe, um dort an eine Hecke zu urinieren.

"Der Angeklagte nahm daran Anstoß", sagte Staatsanwältin Weiß. Das habe er lautstark kundgetan, es sei zum Streit gekommen. Dann habe er den Jugendlichen angegriffen, der ihm am nächsten stand - ihm zielgerichtet und kraftvoll in den Rücken gestochen.

Oldenburg: Messerangriff auf Wildpinkler
Oldenburg: Messerangriff auf Wildpinkler 30-Jähriger steht vor Gericht 01:05

Wildpinkler sind meist leichte Opfer

Dass Wildpinkler den Zorn von Passanten oder Anwohnern auf sich ziehen, kommt immer wieder vor. Im Sommer bedrohte ein 39-Jähriger in Hamburg einen Mann, der sich an einem Baum erleichtert hatte, mit einer Schreckschusswaffe und feuerte zweimal auf den Boden.

Oft sei Alkohol im Spiel. Und gewalttätigen Auseinandersetzungen gingen Wortgefechte voraus, sagt Thomas Bliesener, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover. "Da gibt es eine besondere Dynamik, so dass sich das hochschaukelt. Der eine fühlt sich ertappt, der andere in besonderer Weise angegriffen." Wildpinkler seien zudem leichte Opfer, erläutert der Bremer Profiler Axel Petermann. "Sie stehen da mit geöffneter Hose, urinieren und zeigen dabei wohl regelmäßig den Tätern ihren Rücken."

"Auf einmal wurde es warm an der Seite"

So war es auch in Oldenburg. Der Jugendliche versuchte noch, wegzurennen. "Die Hose war noch offen", beschrieb er vor Gericht. Doch der Angreifer war schneller. "Auf einmal wurde es warm an der Seite", so der 18-Jährige. "Ich habe hingefasst, die Hand war voller Blut." Drei Monate lag der Schüler im Krankenhaus, mehrere Wochen im Wachkoma. Noch heute sind die Druckstellen der Atemmaske im Gesicht zu sehen. Der Messerstich und die Operationen haben große Narben am Oberkörper hinterlassen. Noch mehr leide er aber unter den psychischen Folgen, sagte er. Abends traue er sich nicht mehr allein nach draußen.

Der Angeklagte folgte interessiert, aber scheinbar ungerührt den Aussagen seines Opfers. Auf einem Blatt vor sich machte er Notizen, blätterte in einem Aktenordner. Ob er was zur Sache sagen wolle, fragte ihn der Vorsitzende Richter. "Heute nicht", antwortete der 30-Jährige. Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: dpa/ RTL.de

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