Kinder eines Opfers erheben Vorwürfe

Hätte Todespfleger Grzegorz W. schon früher gestoppt werden können?

22. Januar 2020 - 21:32 Uhr

Hilfspfleger wegen sechsfachen Mordes vor Gericht

Eigentlich sollte Grzegorz W. alte, pflegebedürftige Menschen in ihrem Alltag unterstützen und versorgen. Stattdessen soll der 38-Jährige mehrere seiner Patienten umgebracht haben, darum steht der Pflegehelfer nun in München vor Gericht. Die Angehörigen eines der Opfer machen den Behörden nun schwere Vorwürfe. Sie hatten direkt ein komisches Gefühl und gingen auch zur Polizei. Bis Grzegorz W. aufflog, dauerte es aber.

Keine 24 Stunden nachdem Grzegorz W. eingestellt war, kam sein Patient ins Krankenhaus

Wie der "Spiegel" berichtete, kam der 91 Jahre alte Heinrich Wischmann keine 24 Stunden, nachdem der Pfleger bei ihm eingezogen war, ins Krankenhaus. Sein Sohn habe ihn benommen im Bett gefunden. Schon da habe er den Ärzten gesagt, dass sein Vater gerade einen neuen Pfleger bekommen hatte. Doch das nahm offenbar niemand ernst.

Sechs Wochen später starb der Rentner – er soll das zweite Opfer von W. gewesen sein. Auch die anderen Ärzte und Krankenschwestern hätten ihre Sorgen nicht ernst genommen, sagte die Tochter des 91-Jährigen vor Gericht aus, wie der Spiegel berichtet. Niemand hätte sich gewundert, warum Wischmann so schlechte Blutzuckerwerte hatte, obwohl er kein Diabetiker war. Die andere Tochter des Rentners sei schließlich sogar zur Polizei gegangen, um den Pflegehelfer anzuzeigen. Dann habe sie nie wieder etwas von den Beamten gehört, schreibt das Magazin.

Es dauerte bis jemand Verdacht gegen den Hilfspfleger schöpfte

Hätten weitere Taten verhindert werden können, wenn jemand den Geschwistern geglaubt hätte, dass am Tod des 91-Jährigen etwas faul war? Grzegorz W. wurde deutschlandweit als Hilfspfleger eingesetzt. Die meisten Verträge wurden offenbar vorzeitig beendet, weil W. lustlos und aggressiv gewesen sei oder sich unangemessen verhalten habe, erklärte Josef Wimmer, Leiter der Münchener Mordkommission, als der Fall ans Licht kam.

Der Pflegehelfer soll seinen Opfern Insulin verabreicht haben. An das Mittel kam er gut heran, denn er war selbst Diabetiker. Die Ermittlungen ergaben außerdem, dass er die Stellen offenbar nur annahm, um die wehrlosen, pflegebedürftigen Patienten auszurauben. Erst als ein 87-jähriger Rentner in Ottobrunn starb, schöpfte der Notarzt, der damals im Einsatz war, Verdacht. Er brachte die Ermittlungen ins Rollen. Nun muss sich W. wegen sechsfachen Mordes, versuchten Mordes in drei Fällen, außerdem wegen Körperverletzung, Diebstals und Betrugs vor Gericht verantworten.