Recht auf Selbsttötung?

Prozess in Köln: Schwerkranke wollen sterben – dürfen aber nicht

19. November 2019 - 20:26 Uhr

Harald Mayer ist an MS erkrankt und will nicht mehr leben

Haben schwerkranke Menschen ein Recht, sich selbst zu töten?  Mit dieser schwierigen Frage hat sich das Kölner Verwaltungsgericht beschäftigt. Geklagt hat unter anderen Harald Mayer. Der 49-Jährige leidet unter Multipler Sklerose und hat keine Aussicht auf Besserung seiner Krankheit. Er will sein Leben mit einem Betäubungsmittel selbstbestimmt beenden. Doch obwohl es dafür eine gesetzliche Grundlage gibt, wird ihm das verwehrt.

In Ausnahmefällen ist Sterbehilfe in Deutschland erlaubt

Multiple Sklerose ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Harald Mayer sitzt seit drei Jahren im Rollstuhl. Er kann sich nicht mehr alleine bewegen, muss rund um die Uhr betreut werden. "Ich war Berufsfeuerwehrmann", sagt er im Gespräch mit RTL. "Eigentlich hat sich das ganze Leben gedreht. Beruf weg, Beziehung weg, Hobbies weg. Alles weg, alles. Mein ganzes Leben ist weg."

Der 49-Jährige möchte sein Leben beenden, will es selbst entscheiden. Harald Mayer klagt zusammen mit fünf anderen Schwerkranken. Sie wollen die Erlaubnis, das Präparat Natriumpentobarbital zu bekommen. Hoch dosiert ist das Schmerzmittel tödlich. Sie berufen sich damit auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom März 2017, laut dem schwerkranke Menschen in Ausnahmefällen das Recht haben, ein Medikament zur Selbsttötung zu bekommen.

In den Niederlanden ist der Tod auf Verlangen seit 2002 erlaubt. Zuletzt bewegte der Fall der 17-jährige Noa Pothoven, die an Depressionen und Magersucht litt und sich das Leben nahm, viele Menschen.

Im Video: Eltern lassen Tochter Noa (17) sterben

Bundesverfassungsgericht muss über Recht auf Selbsttötung entscheiden

ARCHIV - Eine Kunsttherapeutin zeichnet am 09.09.2014 im Hospiz St. Martin in Stuttgart (Baden-Württemberg) gemeinsam mit Frau K. an ihrem Krankenbett. Foto: Sebastian Kahnert/dpa (Zu lsw Meldung: "Hospiz" vom 11.11.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Eine aktive Sterbehilfe ist in Deutschland nur in Ausnahmefällen erlaubt.
© dpa, Sebastian Kahnert

Um das tödliche Präparat zu bekommen, hat Mayer einen Antrag an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gestellt. Das lehnt aber nahezu alle Anträge ab. Denn das Bundesgesundheitsministerium spricht sich gegen Selbstmord und Sterbehilfe aus. Harald Mayer sieht das anders. Für ihn ist sein Leben durch die Krankheit wertlos geworden: "Mein Alltag sieht ganz einfach aus. Ich sitze vor dem Fernseher und sehe anderen Menschen beim Leben zu. Mehr gibt es nicht."

Rund zwei Drittel der Menschen in Deutschland würden einer Umfrage nach eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe befürworten. 67 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, 17 Prozent waren dagegen. Ein generelles Verbot des tödlichen Präparats für schwerkranke Menschen ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. In Einzelfällen müsse es auch das Recht auf Selbstmord geben, so die Kammer. Deshalb muss jetzt das Bundesverfassungsgericht über die Klagen entscheiden.