Prozess in Hildesheim: Mutter bot Tochter im Internet zum Sex an

Die Angeklagte Nicole G. im Landgericht in Hildesheim (Niedersachsen).
Die Angeklagte Nicole G. im Landgericht in Hildesheim (Niedersachsen).
© dpa, Julian Stratenschulte, jst fdt

18. Januar 2017 - 18:04 Uhr

Was geht in einer Mutter vor?

Was muss in der 37-jährigen Mutter vorgegangen sein? Was lässt eine Mutter so etwas tun? Wie kann jemand seine eigene Tochter zur Prostitution zwingen und im Internet anbieten? Ob diese Fragen von eher moralischer Qualität geklärt werden können, bleibt zunächst offen. In einem Gerichtssaal im niedersächsischen Hildesheim geht es um die juristische Seite und die strafrechtlichen Konsequenzen einer solchen Tat.

Eine 37-jährige Mutter muss sich dort vor dem Landgericht wegen Zuhälterei und sexuellen Missbrauchs verantworten. Sie soll ihre zum Tatzeitpunkt 16-jährige Tochter im Internet auf mehreren Portalen zum Sex angeboten haben, dabei hat sie laut Anklage falsche Altersangaben gemacht – vermutlich im Wissen, dass das, was sie tat, nicht mit dem Gesetz vereinbar war – von der moralisch-ethischen Seite einmal abgesehen.

Die Angeklagte soll in diesem Zusammenhang all das arrangiert haben, was klassischerweise in das 'Aufgabenfeld' eines Zuhälters fällt: Sie hat die Termine organisiert, ausgehandelt, was ihr der Körper ihrer Tochter finanziell wert ist, und das Geld für den käuflichen Sex selbst eingesteckt. Ihrer Tochter soll sie mit dem Rauswurf aus dem gemeinsamen Zuhause gedroht haben, sollte sie sich weigern, weiter Kunden zum Geschlechtsverkehr zur Verfügung zu stehen.

Worauf sollte sich die 16-Jährige noch verlassen?

Sehr oft vertreten 16-jährige Teenager – egal ob Jungen oder Mädchen – die Überzeugung, bereits erwachsen zu sein, und fordern ein, selbst bestimmen zu dürfen, was sie mit ihrem Körper oder ihrem Geist anfangen. Genauso oft täuscht jedoch diese jugendliche Wahrnehmung und bedarf der mehr oder weniger sanften Korrektur der Eltern, nicht umsonst sind 16-Jährige minderjährig – also auch Schutzbefohlene. Dieser Schutz muss von den Eltern ausgehen und muss in einem tiefen Vertrauen wurzeln. Da bleibt die Frage: Worauf sollte sich die 16-Jährige verlassen?

Unter günstigeren Umständen als den ihren vielleicht auf den Lebensgefährten ihrer Mutter. Dieser steht aber gemeinsam mit der Mutter vor Gericht. Er soll zwischen 2012 bis Juli 2013 in drei Fällen die damals 16-jährige sowie die 11-jährige Tochter der Angeklagten sexuell missbraucht haben. In diesem Szenario haben Vertrauen und Hoffnung wahrscheinlich ihren angestammten Platz verloren. Was das aus den beiden Mädchen gemacht hat, kann niemand ermessen. Welche strafrechtlichen Folgen die Taten für die Angeklagten haben, wird vermutlich am 8. Februar feststehen. Dann soll in Hildesheim das Urteil fallen.