Drama auf Familienfeier

Säugling von alkoholisiertem Urgroßvater erschlagen

07. August 2020 - 10:03 Uhr

Tragischer Prozess: Mutter innerlich zerissen

Es ist ein Unglück, das fassungslos macht. Auf einer Familienfeier im März 2019 betrinkt sich ein damals 75-Jähriger. Seine Enkelin wickelt im Laufe des Abends ihren Säugling auf dem Boden. Die junge Frau bittet ihren Großvater mehrmals, einen Umweg zu gehen. Doch dann passiert das Unglück: Der Mann stürzt auf das Kind und erschlägt es. Bei dem anschließenden Alkoholtest misst die Polizei einen Wert von 1,5 Promille. Zum Tatzeitpunkt müssen es nach Hochrechnung 2,6 Promille gewesen sein.

„Man kann ja neue Kinder machen“

Kurz nach dem Vorfall soll der Mann gesagt haben: "Man kann ja neue Kinder machen!" Zu diesem Zeitpunkt war der 75-Jährige wohl auch noch stark betrunken. Er sei jahrelang Alkoholiker gewesen, ist erst seit einem Jahr trocken. Sein Anwalt während der Verhandlung: "Ein gebrochener Mann, der lieber selbst verstorben wäre anstelle des Jungen."

Für die Mutter des toten Kindes eine unfassbar schwierige Situation. Inzwischen hat sie noch eine Tochter geboren – ihr fünfjähriger Sohn habe eine sehr enge Bindung zu seinem Urgroßvater. Auch das neue Baby dürfe er sehen, jedoch nicht auf dem Arm halten. Man habe sich ausgesprochen, auch wenn sie ihm nicht verzeihen könne. Sie tritt als Nebenklägerin bei dem Prozess auf.

„Mein Sohn würde nicht wollen, dass wir auf Kriegsbeil sind“

Für die Mutter des kleinen Jungen ist der Prozess heute kaum erträglich. Sie sagt: "Ich weine heute noch um meinen Sohn. (…) Mein Sohn würde nicht wollen, dass wir auf Kriegsbeil sind". Ihr Großvater sei für die Beerdigungskosten seines Urenkels aufgekommen.

Die Richterin bezeichnet den Vorfall als "Fahrlässigkeit mit den schlimmsten Folgen, die man sich vorstellen kann." Auch für das Gericht ist es ein schwerer Fall – die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten sei deutlich eingeschränkt. Die Bilder, die sie im Kopf habe, seien schrecklich, so die Richterin. "Hier ist nichts gut, hier ist nichts in Ordnung, hier kann man nur die Scherben erträglich zusammenkehren", sagte sie abschließend.

Der Mann entschuldigte sich auch noch einmal vor Gericht – es tue ihm unendlich leid. Dabei atmete er schwer.