Zwei Männer nach Explosion vor Gericht

Hamburg: Kiffer jagten ganze Wohnung in die Luft - beim Hantieren mit Drogen

Zwei Männer hatten in Hamburg mit Drogen hantiert und dabei eine Explosion ausgelöst.
Zwei Männer hatten in Hamburg mit Drogen hantiert und dabei eine Explosion ausgelöst.
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18. März 2021 - 17:40 Uhr

Prozess um Wohnhaus-Explosion in Hamburg

Bis auf die andere Straßenseite sollen die Scherben geflogen sein, als es im November in Hamburg zu einer mächtigen Explosion kam. Schnell stellte sich raus: Zwei Männer (39, 32) hatten mit Drogen hantiert und sich dabei alles andere als clever angestellt. Die Wohnung wurde durch die Detonation komplett zerstört und die beiden Männer verletzt. Doch damit fing der Ärger erst an. Durch die Explosion fiel auf, dass in der Wohnung einigen verbotene Pflanzen wuchsen.

Männer wollten aus Cannabis-Blüten Haschisch-Öl gewinnen

Zum Prozessbeginn am Hamburger Landgericht am Donnerstag räumte der 39-Jährige auch ein, 18 Cannabispflanzen besessen zu haben – allerdings nur für den Eigenkonsum und als Mittel gegen seine ADHS-Störung.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, in der Wohnung des 39-Jährigen Cannabis angebaut zu haben. Mit den Drogen hätten sie dann Handel betreiben wollen. Um aus den Blüten Haschisch-Öl zu extrahieren, sollen sie in dem Haus im Stadtteil Barmbek-Nord mit Feuerzeuggas hantiert haben. Weil dabei eine große Menge Butangas freigesetzt wurde, entstand eine explosive Gas-Luftmischung, glaubt die Staatsanwaltschaft. Dadurch sei es zu einer Verpuffung gekommen.

Über 100.000 Euro Schaden an Hamburger Mehrfamilienhaus

 Explosion in HAmburger Mehrfamilienhaus
Durch Trümmerteile wurden auch sechs parkende Autos beschädigt.
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Nachbarn hörten einen lauten Knall. Die ganze Wohnung habe gebebt, sagten Anwohner zu RTL. Zwar sei ihr Nachbar schon mal mit einem Joint rumgelaufen und aus der Wohnung laute Musik zu hören gewesen. Dass er aber Hanf angebaut haben soll, habe jeden überrascht.

Die beiden Männer erlitten Brandverletzungen. Der durch die Explosion entstandene Schaden war enorm – laut Anklagebehörde allein am Mehrfamilienhaus über 100.000 Euro. Außerdem beschädigten Trümmerteile laut Polizei sechs geparkte Autos.

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Angeklagter: Nutze Cannabis gegen ADHS-Störung

Ein Gerichtssprecher erklärte, ihre Verteidiger hätten zu Prozessbeginn für die beiden Angeklagten Erklärungen abgegeben. Demnach sagte der 39-Jährige, er leide unter einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Das Cannabis habe ihm geholfen, ruhiger zu werden.

Bei dem anderen Angeklagten handelt es sich um den Nachbarn. Ab und zu habe man sich auf ein Bier oder zum Kiffen getroffen, erklärte der 32-Jährige nach Angaben des Gerichtssprechers. Mit dem Hanf-Anbau will er aber nichts zu tun gehabt haben. Er habe lediglich bemerkt, dass sein Nachbar in der Küche mit irgendwas hantierte. Dann sei die Wohnung in die Luft geflogen.

Angeblich 2.500 Euro durch Pfandsammeln verdient

Prozess Hamburg Explosion
Den Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe zwischen einem und 15 Jahren.
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Die Polizei fand allerdings auch eine größere Menge Bargeld: In einem Eimer im Keller lagen 2.500 Euro. Dafür hatte der 39-Jährige eine verblüffende Erklärung. Der Angeklagte habe berichtet, das Geld durch Pfandsammeln angespart zu haben, sagte der Gerichtssprecher. Zur Explosion habe der Erwerbslose nur wenige Angaben gemacht. Er sitzt derzeit in Haft.

Beide Angeklagten sind laut Gerichtsprecher strafrechtlich schon mehrfach in Erscheinung getreten, unter anderem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Bei einer Verurteilung droht ihnen eine Freiheitsstrafe zwischen einem und 15 Jahren. Für den Prozess sind sechs weitere Verhandlungstage geplant.