"Ich musste täglich mit Männern schlafen – auch unter Tränen"

Prozess in Dortmund: Ehepaar zwang 15-Jährige aus Bulgarien zur Prostitution

07. November 2019 - 10:05 Uhr

Mutter überließ dem Paar das Mädchen für 100 Euro

Fanka A. hat einen wahren Albtraum hinter sich: Als 15-Jährige schickte ihre Mutter sie plötzlich mit einer fremden Frau nach Deutschland. Die hatte das Mädchen für 100 Euro "gekauft", um sie in einem Bordell in Dortmund arbeiten zu lassen. "Ich musste täglich mit Männern schlafen – auch unter Tränen", sagte Fanka A. vor dem Ladgericht Dortmund. Über 13 Jahre nachdem sie aus ihrer Heimat verschleppt wurde, steht die Frau, die ihr das angetan haben soll, endlich vor Gericht. RTL-Reporter Sebastian Reddig war beim Prozess dabei – seine Eindrücke in unserem Video.

Fanka A. war völlig ahnungslos, als sie in Dortmund ankam

Mariya S. schweigt bisher zu den Vorwürfen. Die 54-Jährige und ihr Ehemann sollen das Mädchen 2006 aus Bulgarien nach Deutschland geholt und zur Prostitution gezwungen haben. "Ich wusste nicht, was ich in Deutschland machen sollte", sagte Fanka A. den Richtern. "Ich bin nur mitgefahren, weil meine Mutter das gesagt hat."

In Dortmund angekommen, soll die Angeklagte das Mädchen dann in verschiedene Sexpraktiken eingewiesen und die Preise dafür genannt haben. Schon an ihrem ersten Abend musste Fanka A. mit acht Freiern schlafen. "Ich habe nur geweint", erzählt die heute 29-Jährige vor Gericht.

Das Mädchen hatte zu viel Angst, um zu fliehen

Von den Einnahmen durfte Fanka A. nichts behalten. Mariya S. und ihr Ehemann hätten das ganze Geld kassiert. Einmal habe sie versucht, 80 Euro abzuzweigen. Sie versteckte das Geld in ihrem BH. Mariya S. schlug laut Anklage daraufhin so lange auf das Mädchen ein, bis sie das Geld herausrückte. Sie habe sich die ganze Zeit nicht getraut, wegzulaufen. "Ich hatte Angst." Erst als ein Freier sie für 400 Euro von dem Paar freikaufte, konnte Fanka A. ein normales Leben beginnen.

Der Ehemann der Angeklagten wurde bereits 2013 wegen Menschenhandels zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Mariya S. tauchte unter und wurde jahrelang per internationalem Haftbefehl gesucht. Erst im Mai 2019 wurde sie verhaftet. Die 54-Jährige muss sich nun wegen Zwangsprostitution, Menschenhandels, räuberischer Erpressung und Körperverletzung verantworten. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr zehn Jahre Haft.