Prozess in der Türkei: Deutscher Menschenrechtler Peter Steudtner ist frei

26. Oktober 2017 - 22:47 Uhr

Die Erleichterung über seine Freilassung ist groß

Nach mehr als dreimonatiger Untersuchungshaft in der Türkei ist der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner nach Berlin zurückgekehrt. Steudtner und sein mit ihm inhaftierter schwedischer Kollege Ali Gharavi trafen am Donnerstagabend aus Istanbul kommend in Berlin ein. "Ich bin dankbar für die vielen Leute, die auf juristische Weise für uns gekämpft haben, die auf diplomatischer Ebene für uns gekämpft haben und die uns einfach in Solidarität begleitet haben", sagte der 45-Jährige. Für Überraschung sorgte dabei vor allem eine bisher geheimgehaltene Vermittlungsmission.

Ex-Kanzler Schröder setzte sich bei Erdogan für Freilassung ein

Peter Steudtner kehrt nach Türkei-Haft nach Deutschland zurück.
Peter Steudtner kommt am Flughafen in Berlin an.
© deutsche presse agentur

Denn an Steudtners Freilassung hatte auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder einen Anteil. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte: "Ich bin Gerhard Schröder sehr dankbar für seine Vermittlung", berichtet der 'Spiegel'. Es sei "ein erstes Zeichen der Entspannung, denn die türkische Regierung hat alle Zusagen eingehalten. Nun müssen wir weiter an der Freilassung der anderen Inhaftierten arbeiten." Schröder selbst wollte keine Stellungnahme abgeben. Er freue sich über die Freilassung Steudtners,ließ er mitteilen.

"Ich habe nie in meinem Leben irgendeine militante oder terroristische Organisation unterstützt"

Steudtner hatte zum Prozessauftakt die gegen ihn erhobenen Terrorvorwürfe zurückgewiesen und seine Entlassung aus der Untersuchungshaft gefordert. "Ich plädiere in allen Anklagepunkten auf nicht schuldig und bitte um meine sofortige und bedingungslose Freilassung", sagte er in seiner rund 40-minütigen Verteidigung am ersten Verhandlungstag vor dem Istanbuler Gericht. "Ich habe nie in meinem Leben irgendeine militante oder terroristische Organisation unterstützt."

Steudtner betonte weiter, seine Arbeit als Menschenrechtstrainer sei in den vergangenen 20 Jahren stets auf Menschenrechte, Gewaltfreiheit und Friedensbildung ausgerichtet gewesen. Sein Fokus habe zudem auf afrikanischen Ländern gelegen. "Ich habe mich nie auf türkische Organisationen konzentriert oder mit ihnen gearbeitet", sagte er. Steudtner bedankte sich zudem beim Gericht, dass er die Möglichkeit dazu habe, sich zu verteidigen. Er betonte seine Bereitschaft zur Mitarbeit bei dem juristischen Prozess, wie er es bisher getan habe.

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"Eine Ansammlung von Verschwörungstheorien"

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© dpa, Lefteris Pitarakis, LP lof

Der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, Markus Beeko, sprach von einer "absurden Anklage". Der Berliner Grünen-Politiker Özcan Mutlu, der als Prozessbeobachter vor Ort war, sagte der dpa, die Anklageschrift sei wie eine "Ansammlung von Verschwörungstheorien". Komme Steudtner nicht frei, sei das eine "weitere Eskalationsstufe in den deutsch-türkischen Beziehungen".

Der Menschenrechtstrainer war am 5. Juli bei einem seiner Seminare auf einer Insel bei Istanbul festgenommen worden. Der Grund: Angebliche "Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation". Steudtner wurde in der Schulung gemeinsam mit allen Seminar-Teilnehmern festgenommen. Am 18. Juli verhängte ein Gericht in Istanbul Untersuchungshaft gegen Steudtner.