Prozess in Bonn: Warum half niemand der kleinen Anna (†9)?

25. September 2013 - 14:02 Uhr

Sozialarbeiterin vor Gericht

Die kleine Anna wurde von den Pflegeeltern über Monate gequält, ehe sie in der Badewanne ertränkt wurde. Obwohl das Jugendamt wusste, dass es Probleme gab, holte es das Kind nicht aus der Familie heraus. Nun steht die zuständige Mitarbeiterin vor Gericht.

Bad Honnef: Anna zu Tode gequält
Anna wurde nur neun Jahre alt.

Ihr werden fahrlässige Körperverletzung im Amt durch Unterlassen sowie Urkundenunterdrückung vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft hat die Frau trotz vielfacher Hinweise auf Misshandlungen des Kindes durch die Pflegeeltern nicht dafür gesorgt, dass die Neunjährige anders untergebracht wurde.

Pflegemutter zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt

Nach Annas Tod habe sie zudem aus den von ihr geführten Akten des Jugendamtes Königswinter mehrere ausführliche Vermerke entfernt und vernichtet und durch Kurzfassungen ersetzt, die sie nachträglich angefertigt haben soll.

Annas Tod habe bei der Angeklagten große Betroffenheit ausgelöst, sagte die Verteidigerin. Sie sei zutiefst erschüttert. Die Anwältin äußerte die Hoffnung, dass das Verfahren Aufklärung und Aufarbeitung der Vorgänge bringe. Sie kündigte an, ihre Mandantin werde sich am kommenden Mittwoch, dem nächsten Verhandlungstag, zur Sache äußern.

Anna lebte zwei Jahre bei Pflegeeltern in Bad Honnef. Sie war dort über Monate systematisch gequält und misshandelt worden. Wiederholt hatten Nachbarn aus der Wohnung Schreie des Kindes vernommen und später das Jugendamt informiert.

Am 22. September 2010 starb Anna, als die Pflegemutter das Kind nach Angaben des Gutachters mindestens drei Minuten lang unter Wasser tauchte. Die Frau wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Ehemann erhielt sechseinhalb Jahre Haft.