Hundebesitzer zweifelt an Identität des Opfers

Hund beißt Filmhuhn Sieglinde tot - Besitzerin will 4.000 Euro Schadenersatz

© dpa, Roland Weihrauch, rwe nic

22. November 2019 - 11:25 Uhr

Sieglindes Karriere nahm ein jähes Ende

Filmhuhn Sieglinde war ein aufgehender Stern im Tierfilmgeschäft: Besonders zahm, gelehrig, gut ausgebildet. Die Henne spielte in Filmen und Fernsehserien mit, ihr hätte wohl noch eine große Zukunft bevorgestanden. Doch Sieglindes Karriere nahm ein jähes Ende: Am 4. Juni 2019 wurde sie von einem Hund totgebissen. Ihre Besitzerin verlangt vor Gericht 4.000 Euro Schadenersatz. Der Hundebesitzer versteht die Aufregung nicht.

"Es war ein Tier unter Tausend, das einfach nur besonders war"

Ute Milosevic streichelt auf ihrem Hof ein Seidenhuhn. Das Filmhuhn Sieglinde wurde laut Landgericht Kleve bei einem Spaziergang im Sommer 2017 in Weeze von einem Hund gejagt und getötet. Die Eigentümerin des H
Vor dem Prozess um Schadenersatz für Film-Huhn Sieglinde: Ute Milosevic streichelt ein Huhn auf ihrem Hof.
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Ute Milosevic will Gerechtigkeit für ihr Huhn Sieglinde. "Es war ein Tier unter Tausend, das einfach nur besonders war", sagte Milosevic. Zahm von Anfang an, eine Legehenne, die nicht vor Menschen weglief, sondern sich von ihnen auf den Arm nehmen und streicheln ließ. Die zutrauliche Art des braunen Legehuhns war genau das, was am Filmset gebraucht wurde. Sieglinde ging in die Lehre bei der Tiertrainierin Aurelia Franke-Hornung, die schon Hunde, Pferde, Schweine, Schafe und Schildkröten fit für Kameraeinsätze machte. 

Dann kamen die ersten Angebote, wie Milosevic sagt. Ein Highlight war die anspruchsvolle Rolle in dem Fernsehfilm "Wir sind doch Schwestern", der auf einem niederrheinischen Gutshof spielte. Nachdem das Huhn scheinbar auf dem Hof angefahren wurde, musste es hinterher in der Rolle als Lieblingshuhn eines der Schwestern einen Verband tragen und sich verhätscheln lassen. 

Plötzlich Randale auf dem Hof

Zu Hause in der drehfreien Zeit gehörte Sieglinde zur Familie, wie die Besitzerin sagt: "Sie kam mir jeden Tag entgegen, wollte gestreichelt werden, fuhr mit mir im Auto." Mit ihren damals fünf Artgenossinen und einem Hahn lief sie frei auf dem Hof von Milosevic im niederrheinischen Weeze herum. Es gibt Pferde, Mini-Schweine, die hier alt werden dürfen, Hunde und eben auch Hühner, wie sie erzählt. Ein schönes Hennenleben, bis zu jenem Tag, als drei Männer mit einem Hund im Wald spazieren gingen.

Plötzlich Randale auf dem Hof, die Hühner schrien, Sieglinde war am Ende tot. "Dieser Hund ist mindestens 80 Meter bei mir auf den Hof gelaufen und hat das Huhn totgebissen", erzählt Milosevic. Für sie und ihren Mann gibt es keine Zweifel, dass der Hund Sieglinde erwischt hatte. "Ich hatte zu der Zeit nur ein einziges braunes Huhn", sagt sie. Und das sei Sieglinde gewesen.

Nur Zehn Euro für Sieglinde!

Das Huhn Sieglinde bei Dreharbeiten zu einem Film (Foto vom 22.05.2017). Sieglinde hätte wohl noch Karriere gemacht. Aber sie wurde von einem Hund tot gebissen.
Das Filmhuhn Sieglinde bei Dreharbeiten.
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Der Hundebesitzer hatte laut der Klägerin direkt nach dem Vorfall Schadenersatz angeboten. Sehr arrogant hätte er ihr zehn Euro geben wollen, sagte sie. "Nach dem Motto: Was soll der ganze Aufwand?" Milosevic sieht das anders: Nur zehn Euro für Sieglinde! Das sei "abstrus", so Carmen Lis, die Anwältin der Frau. "Das ist eben nicht nur ein "blödes Huhn", sondern ein Lebewesen, ein Mitgeschöpf." Hinzu komme die aufwendige Ausbildung des Tieres. Milosevic lehnte ab und fordert 4.000 Euro Schadenersatz.

Das Amtsgericht Geldern sprach der Huhn-Eigentümerin 300 Euro zu - und eine Teilschuld, weil sie ihr Grundstück nicht ausreichend eingezäunt habe. Für Milosevic völlig unverständlich: "Man hat mich einfach nur so dargestellt, als ob ich nur Geld haben möchte. Eigentlich geht's mir gar nicht mehr darum. Ich möchte Recht bekommen und will nicht, dass Leute, deren Hunde irgendetwas tot beißen, im Mittelpunkt stehen. Das geht gar nicht."

"Man hat versucht, das ins Lächerliche zu ziehen"

Der Hundebesitzer bezweifelt, dass sein Hund ausgerechnet Sieglinde getötet habe: In der Hühnerschar hätten sich mehrere braune Hühner befunden, sagte seine Anwältin Karin Albertz. Er bedaure den Vorfall, doch die Höhe des Schadensersatzes von 4.000 Euro habe die Klägerin nicht verständlich begründen können.

Milosevic und ihre Anwältin sehen das ganz anders. "Man hat versucht, das ins Lächerliche zu ziehen", sagt Milosevics Anwältin. "Die Einsichtigkeit, dass man das Tier besser nicht in der Nähe des Hofes frei laufen lässt, war auch nicht gegeben." Ihre Mandantin habe die Höhe der ausgefallenen Gagen noch nicht einmal mit eingerechnet. Milosevic legte Berufung ein. Die Richter am Landgericht Kleve verhandeln darüber an diesem Freitag.