Prozess gegen Silvio S.: Mutter des getöteten Mohamed (4) kann die Tat nicht verarbeiten

Die Gedenkstätte des ermordeten Flüchtlingskindes Mohamed (4).
© dpa, Gregor Fischer

26. Juli 2016 - 20:07 Uhr

"Ich bin mir sicher, dass dieser Mann mein Kind irgendwie angelockt haben muss"

Fortsetzung im Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. in Potsdam: Vor Gericht sagte nun die Mutter des getöteten Flüchtlingskinds Mohamed (†4) aus. Ihrer Einschätzung nach wäre ihr kleiner Sohn nicht einfach mit einem Fremden mitgegangen. "Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass dieser Mann mein Kind irgendwie angelockt haben muss", erklärte die 29 Jahre alte Frau.

Die grausame Ermordung ihres Kindes verfolgt sie nach eigenen Aussagen bis in ihre Träume. "Ich kann bis heute nicht schlafen", so die 29-Jährige. Doch damit nicht genug: Der gewaltsame Tod ihres Kindes habe sie so stark mitgenommen, dass sie danach zwei Fehlgeburten erlitten habe. "Ich bin nonstop in Therapie", ließ die Mutter das Gericht wissen. Auch Mohameds neunjährige Schwester kämpfe mit Schlafstörungen.

"Als ich das Amt betrat, war er weg"

Der Junge war im vergangenen Oktober plötzlich verschwunden, als seine Mutter eine Behörde aufsuchen wollte. "Als ich das Amt betrat, war er weg", beschreibt sie den Moment. Zunächst sei sie nicht von einer Entführung ausgegangen, sie habe geglaubt, dass Mohamed zu einem nahgelegenen Kindergarten für Flüchtlingskinder gelaufen sei. Schließlich sei er manchmal auch zum Flüchtlingsheim kurz um die Ecke gelaufen, aber jedes Mal wieder zur Familie zurückgekehrt. Bis zuletzt habe sie gehofft und gebangt, dass ihr Sohn wieder auftaucht. Einen Monat später habe die Polizei ihr gesagt, dass Mohamed tot sei. Vor Gericht sagte sie jetzt, welche Strafe sie sich für Silvio S. erhofft: "Mein größter Wunsch ist, dass er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringt".

Silvio S. (33) wird zur Last gelegt, Mohamed entführt, sexuell missbraucht und anschließend ermordet zu haben. Der Wachmann aus Brandenburg soll auch für den Mord an Elias (6) aus Potsdam verantwortlich sein. Der Prozess am Landgericht Potsdam soll noch bis Ende Juli andauern.