Angeklagter Rico K. (35) stieß seine Freundin (23) aus dem Fenster im 4. Stock

Prozess in Hannover - Opfer beschreibt Tat: „Wenn du schreist, schnitze ich dir ein Lächeln ins Gesicht“

Prozess wegen versuchten Totschlags in Hannover
© dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd lop

16. Juli 2020 - 14:07 Uhr

Prozess in Hannover gegen 35-Jährigen wegen versuchten Totschlags

Mit einem Stoß aus einem Hotelfenster im vierten Stock soll der 35-jährige Koch Rico K. versucht haben, seine damals 23-jährige Freundin umzubringen. Im Februar soll sich die Tat in einem Hotel in Hannover ereignet haben. Seit Anfang Juli muss sich Rico K. wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Hannover verantworten. Jetzt sagt das Opfer als Zeugin aus. Der Angeklagte selbst will zu den Vorwürfen keineStellung nehmen.

„Für dich gibt es heute nur einen Weg, und der ist aus dem Fenster“

Auf Krücken betritt das Tatopfer den Gerichtssaal. Während ihrer Zeugenaussage hält die junge Frau ein Kuscheltier in ihrer Hand. Rico K. verzieht auf der Anklagebank keine Miene, schaut abwechselnd zum Richter und zu seiner ehemaligen Freundin. Die Beschreibung der Ereignisse fällt dem Opfer schwer: "Für dich gibt es heute nur einen Weg, und der ist aus dem Fenster", soll Rico K. seiner damaligen Freundin gesagt haben, während er sie mit einem Messer bedrohte.

Und weiter: "Wenn du schreist, schnitze ich dir ein Lächeln ins Gesicht." Rico K. soll ständig eifersüchtig gewesen sein, habe ihr Handy kontrolliert und ihr verboten, mit anderen Menschen zu reden und sie zu umarmen, sagt das Opfer vor Gericht aus. Die junge Frau will sich von ihm trennen, beginnt im Hotelzimmer ihre Sachen zu packen. Dann "ist er ausgerastet", so das Opfer vor Gericht.

Die Anklage: Versuchter Totschlag

Der 35-jährige Rico K. soll die 23-Jährige in dem Hotelzimmer mehrfach geschlagen und gewürgt haben. Danach soll der stämmige Mann die zierliche Frau mit einem Messer gezwungen haben, auf den Sims des geöffneten Fensters zu klettern. Das Fenster soll Rico K. daraufhin geschlossen haben.

Der 23-Jährigen gelang es zwar, sich auf dem Sims im 4. Stock zu halten. Doch Rico K. soll das Fenster nochmal geöffnet und die Frau 10 Meter in die Tiefe geschubst haben. Anschließend bemühte er sich den Ermittlungen zufolge nicht um Hilfe, sondern zog sich in sein Zimmer zurück.

Wie durch ein Wunder überlebt

Bei dem Sturz aus dem 4. Stock knallt die 23-Jährige auf den Parkplatz-Asphalt. Die junge Frau überlebt, erleidet aber laut Anklage viele Knochenbrüche an Armen, Beinen und Becken. "Psychisch und physisch ist sie sehr angeschlagen. Sie wird wohl an den Folgen den Rest ihres Lebens zu knapsen haben", betont der Anwalt des Opfers, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt. "Bei dem Stoß soll der Angeklagte den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen haben. Das Ganze soll einen Beziehungshintergrund gehabt haben", bestätigt der Sprecher vom Landgericht Hannover im RTL-Interview.

Die Tat hat niemand kommen sehen

Rico K. und seine damalige Freundin sollen beide in dem Hotel gearbeitet haben. Doch der Koch kündigte schon vor seiner Tat, wohnte anschließend einige Zeit im Hotel. "Wir hatten ihn als einen guten Mitarbeiter bei uns", sagt die Hotel-Qualitätsmanagerin im RTL-Interview. "Er hatte keine Anzeichen gezeigt, dass er zu so etwas fähig wäre." Jetzt droht Rico K. eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren, sollte er wegen des Totschlags verurteilt werden. Das Urteil soll Ende Juli gesprochen werden.