Prozess gegen Gaddafi-Söhne beginnt

15. April 2014 - 13:57 Uhr

Fast drei Jahre nach dem Sturz von Libyens Machthaber Muammar Gaddafi hat in Tripolis der Prozess gegen seine Söhne und Mitglieder seiner Regierung begonnen. Das Verfahren gilt als Bewährungsprobe für den Aufbau einer Demokratie in dem nordafrikanischen Land. Zum Prozessauftakt erschienen weder Saadi Gaddafi noch sein Bruder Saif al-Islam persönlich im Gerichtssaal. Chefankläger Sidik al-Sur sagte der Nachrichtenagentur 'Reuters', Saadi werde wegen laufender Ermittlungen dem Prozess zunächst fernbleiben. Saif al-Islam - der als Nachfolger Gaddafis galt - wird von einer mächtigen Miliz im Westen des Landes festgehalten und sollte per Videoschaltung teilnehmen. Es werde noch entschieden, ob das öffentlich geschehen werde, sagte Al-Sur. Den Angeklagten werden unter anderem Kriegsverbrechen und Korruption zur Last gelegt.

Einem Gerichtsreporter von 'Reuters' zufolge saßen dagegen Gaddafis ehemaliger Spionagechef Abdullah al-Senussi, der ehemalige Ministerpräsident Baghdadi al-Mahmudi, der Leiter des Geheimdienstes Buseid Dorda und Ex-Außenminister Abdul Ati al-Obeidi auf der Anklagebank. Die Regierung war nach einem Volksaufstand gestürzt worden, die in einen Bürgerkrieg mündete. Gaddafi selbst wurde nach seiner Gefangennahme getötet. Die politische Lage in Libyen ist weiterhin instabil. Am Wochenende hatte der erst Anfang des Monats ernannte Übergangs-Ministerpräsident Abdullah al-Thinni seinen Rücktritt eingereicht. Er begründete den Schritt damit, dass er und seine Familie bedroht worden seien.