Prozess gegen Familienvater in Potsdam

Ehefrau im Teich ertränkt, Sohn ins Gesicht geschossen - Angeklagter spricht von Notwehr

Wolfgang L. mit seinem Verteidiger
Wolfgang L. mit seinem Verteidiger
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29. März 2021 - 16:39 Uhr

Angeklagter steht wegen Mordes vor Gericht

Im Mai 2020 sticht Wolfgang L. in Werder an der Havel mit einem Messer auf seine Ehefrau ein und drückt sie so lange mit dem Kopf in den Gartenteich, bis sie stirbt. Dem gemeinsamen Sohn, der zur Hilfe eilt, schießt er mit einer Schreckschusspistole ins Gesicht. So beschreibt die Staatsanwaltschaft am Landgericht Potsdam den Fall und plädiert auf Mord. Wolfgang L. dagegen sagt heute: Es war Notwehr.

Frau hatte den Angeklagten kurz vor der Tat verlassen

"Als sie sich kaum noch wehrte, soll er den Kopf der Geschädigten unter Wasser gedrückt haben, um sie zu ertränken." So steht es im Gerichtstext der Staatsanwaltschaft Potsdam. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wolfgang L. offenbar schon mehrfach auf seine Frau eingestochen. Vier Wochen zuvor hatte sich die 40-Jährige von ihm getrennt und war mit den Kindern aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Ein mögliches Mordmotiv?

Verteidiger Matthias Schönerburg sagt heute nach dem Prozessauftakt: "Er hat ja diesen einen Satz gesagt, dass es Notwehr war und sicherlich wird er das auch ausführen." Doch warum hatte er dann ein Messer und eine Schreckschusspistole dabei, als er Frau und Kinder in der neuen Wohnung aufsuchte? Außerdem hatte nicht nur der gemeinsame Sohn, sondern auch ein Nachbar versucht, der 40-Jährige zu helfen, worauf Wolfgang L. ihn ebenfalls mit Messer und Schreckschusspistole bedroht hatte.

Schwester des Opfers verfolgt Prozessauftakt in Potsdam versteinert

Vor dem Potsdamer Landgericht tritt Wolfgang L. heute als großer Selbstdarsteller auf. Weder sein Verteidiger noch der Richter können ihn bremsen, sich selbst und seine Lebensleistungen ausführlich zu feiern – vor den Augen der Schwester des Opfers. Sie sitzt versteinert im Gerichtssaal.

Wolfgang L. erzählt von seinen früheren Ehen. Über seine erste Frau sagt er, sie habe "schlecht gerochen" und der "Sex stimmte nicht". Dass seine Partnerin schwanger wurde, bezeichnet er als "hinterhältig" und dass sie ihn nicht heiraten wollte, läge daran, dass sie wohl keine Lust hatte, "sein 300-Quadratmeter-Haus zu putzen."

RTL-Reporterin Chris Linke berichtet von einer bedrückenden Atmosphäre im Saal, die fast schon in Ekel umschlägt. Nach der Festnahme, hatte Wolfgang L. zunächst im Krankenhaus gelegen, weil er auf der Flucht mit seinem Auto in eine Wand gekracht war. Inzwischen ist der Angeklagte in Untersuchungshaft und steht völlig alleine da: "Er hat keinen Kontakt, weder zu den Kindern, noch zur Tante, noch zu gar keinem. Außer zu mir hat er keinen Kontakt", sagt sein Verteidiger Matthias Schöneburg.

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Muss der Sohn gegen seinen Vater vor Gericht aussagen?

Der Sohn, der mitansehen musste, wie seine Mutter starb, war heute nicht im Gerichtssaal. Er wird voraussichtlich am nächsten Prozesstag aussagen müssen. Es sei denn Wolfgang L. gesteht. Gerichtssprecher Sascha Beck erklärt: "Wir hoffen's, vielleicht kann man dann dem Sohn die Aussage ersparen, aber ob und wie das erfolgen wird, dass wird man sehen."

Wahrscheinlicher ist aber, dass sich der 65-Jährige selbst als Opfer darstellt. Sollte er am Ende wegen Mordes verurteilt werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.