Nach Justizentscheidung zu Breonna Taylor

Zwei Polizisten bei Protesten in Louisville angeschossen

24. September 2020 - 6:49 Uhr

Verletzungen sind nicht lebensgefährlich

Nach einer umstrittenen Justizentscheidung im Fall der im März getöteten US-Amerikanerin Breonna Taylor sind bei Protesten in der US-amerikanischen Stadt Louisville zwei Polizisten angeschossen worden. Ein Verdächtiger sei bereits festgenommen worden, hieß es von der Polizei. Die Verletzungen sind laut dem Polizeichef der Stadt nicht lebensgefährlich, die Beamten würden im Krankenhaus behandelt.

Ausgangssperre in Louisville verhängt

In der Stadt in Kentucky kam es am Mittwoch zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. Die Behörden hatten aus Angst vor Ausschreitungen bereits vorsorglich die Nationalgarde nach Louisville beordert und Sperren errichtet. Um 21.00 Uhr (Ortszeit/3.00 Uhr MESZ) trat eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft. Auch in Städten wie New York, Washington und Atlanta kam es zu Protesten.

Keiner der beteiligten Polizisten wird wegen Breonna Taylors Tod direkt angeklagt

Kentuckys Justizminister Daniel Cameron hatte zuvor verkündet, dass wegen Taylors Tod im März keiner der drei an dem Einsatz beteiligten Polizisten direkt angeklagt wird. Gegen einen der Polizisten wird zwar Anklage erhoben, allerdings deswegen, weil er andere Bewohner in dem Mehrfamilienhaus gefährdet haben soll.

Die Ermittler seien zu dem Schluss gekommen, dass die beiden anderen Polizisten sich selbst verteidigt hätten, sagte Cameron. Breonna Taylor war bei dem nächtlichen Polizeieinsatz im März in ihrer eigenen Wohnung erschossen worden. Sie wurde - wie auch der Ende Mai in Minneapolis getötete Afroamerikaner George Floyd - zu einem Symbol der "Black Lives Matter"-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt.

FILE PHOTO: A woman visits the memorial for Breonna Taylor in Louisville, Kentucky, U.S., September 11, 2020.  REUTERS/Bryan Woolston/File Photo/File Photo
Breonna Taylor wurde nach ihrem Tod zu einem Symbol der "Black Lives Matter" Proteste in den USA.
© REUTERS, BRYAN WOOLSTON, /FW1F/Thomas Brown

Polizisten drangen mitten in der Nacht in Taylors Wohnung ein

Die Polizisten waren bei Taylors Wohnung mitten in der Nacht mit einem Durchsuchungsbefehl eingetroffen. Der Untersuchung zufolge klopften sie an der Tür und gaben sich als Polizei zu erkennen. Dafür gebe es einen Zeugen, sagte Cameron. Als sie keine Antwort erhielten, hätten sie die Tür aufgebrochen. In der Wohnung hätten sie einen Mann und eine Frau gesehen. Der Mann - Taylors Freund - habe als Erster geschossen und einen der Beamten am Bein verletzt.

Breonna Taylor wurde von mindestens fünf Kugeln getroffen

Daraufhin hätten die Polizisten das Feuer eröffnet und 32 Schüsse abgegeben, sagte Cameron. Sie hätten die unbewaffnete Breonna Taylor mindestens fünf Mal getroffen, ihren Freund hingegen nicht. Von den Kugeln, die die 26-jährige Rettungssanitäterin trafen, sei eine tödlich gewesen. Einer der Polizisten habe zehn Mal von außerhalb der Wohnung geschossen. Einige seiner Kugeln hätten Nachbar-Apartments getroffen. Der Beamte werde wegen "mutwilliger Gefährdung" in drei Fällen angeklagt. Dafür drohen ihm drei Mal bis zu fünf Jahre Haft.

Gesuchte Person hielt sich nicht in Taylors Wohnung auf

Rund um den Fall bleiben viele Fragen offen. So werden die Umstände rund um die Ausstellung des Durchsuchungsbefehls weiterhin untersucht. Es ging dabei um eine Person, die sich nicht in der Wohnung aufhielt. Auch gab Taylors Freund an, dass er zwar ein Klopfen an der Tür gehört habe - aber nicht, dass es die Polizei sei. Deswegen habe er die Polizisten für Einbrecher gehalten.

ARCHIV - 25.06.2020, USA, Frankfort: Schilder zeigen Breonna Taylor während einer Kundgebung zu ihren Ehren. Sechs Monate nach der Tötung der Afroamerikanerin Breonna Taylor bei einem Polizeieinsatz hat die Stadt Louisville einen zivilen Rechtsstreit
Die Untersuchungen zum Tod der jungen Amerikanerin laufen derzeit noch.
© dpa, Timothy D. Easley, TDE kay

"Strafgesetze sind nicht dazu gemacht, auf jeden Schmerz und Verlust einzugehen“

Die Stadt Louisville hatte sich vergangene Woche in einem Zivilverfahren mit Taylors Familie auf eine ungewöhnlich hohe Vergleichszahlung von zwölf Millionen Dollar geeinigt. Zugleich stellte sie Reformen bei der Polizei in Aussicht.

Er verstehe den Schmerz durch den Tod Taylors, sagte der Generalstaatsanwalt, der selbst schwarz ist. "Aber Strafgesetze sind nicht dazu gemacht, auf jeden Schmerz und Verlust einzugehen." Er rief dazu auf, nur friedlich zu protestieren.

Trump äußert sich nicht zu Justizentscheidung

US-Präsident Donald Trump wich Fragen nach seinem Kommentar zu dem Fall bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am Mittwochabend aus. Er verlas stattdessen Minister Camerons Erklärung und sagte, dieser mache einen "fantastischen Job". Trump begrüßte außerdem den Einsatz der Nationalgarde. Trump wird immer wieder vorgeworfen, Polizeigewalt gegen Schwarze nicht eindeutig zu verurteilen.

Quelle: dpa/RTL.de