Proteste in Brasilien: Militär soll für Ordnung sorgen

23. Juni 2013 - 9:41 Uhr

Das Militär soll die Polizei unterstützen

In Brasilien haben in der Nacht wieder Zehntausende gegen Misswirtschaft, Korruption und die Milliarden-Ausgaben für die Fußball-WM protestiert. Allein in Sao Paulo waren es 50.000 Demonstranten. Begonnen hatte es friedlich: Die meist jungen Menschen zogen durch die Stadt und forderten mehr soziale Gerechtigkeit. Dann schlugen die Proteste in Gewalt um: Randalierer setzten einen TV-Übertragungswagen in Brand, versuchten den Sitz des Bürgermeisters von Sao Paulo zu stürmen. Die Polizei zog sich in das Gebäude zurück, wehrte die Demonstranten mit Tränengas ab.

Brasilien: Proteste im ganzen Land
Sao Paulo: Randalierer setzen einen Polizeibus in Brand
© imago sportfotodienst

Wohl auch deshalb greift die Regierung in Brasilia jetzt durch: die Nationalgarde wurde in fünf der sechs Austragungsstädte des derzeit stattfindenden Fußball-Confed-Cups entsandt, teilte das Justiz-Ministerium mit. Schon bald sollen die ersten Soldaten in Fortaleza, Salvador, Belo Horizonte, Brasília und Rio de Janeiro eintreffen.

Fifa-Boss Blatter kritisiert Demonstranten

Dabei ist die Präsidentin den Demonstranten durchaus wohlgesonnen. Zwar verurteilte Staatspräsidenten Dilma Rousseff jede Form des gewaltsamen Protestes, zeigte sich aber von den friedlichen Massendemonstrationen beeindruckt. "Die Stimmen auf den Straßen müssen gehört werden. Sie überwinden Institutionen und politischen Parteien", sagte sie.

Fifa-Boss Blatter dagegen kritisierte die Proteste im Vorfeld des Confed-Cups. "Brasilien hat sich um diese WM beworben. Wir haben die WM nicht Brasilien aufgezwungen", sagte er in einem Interview mit dem TV-Sender Globo. Das Land würde vom Ausbau der Infrastruktur profitieren. Zwar habe Blatter Verständnis, dass die "Menschen nicht glücklich sind", aber man solle doch nicht den Fußball nutzen, um Forderungen zu verkünden.

Offenbar haben die Demonstranten jedoch genau damit Erfolg: So sollen in mindestens fünf Städten die Tarife im öffentlichen Nahverkehr gesenkt werden. Höhere Preise für Busfahrten in Sao Paulo waren der Auslöser für die größten Proteste in Brasilien seit 20 Jahren. Viele Menschen beklagen, dass vor der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen Milliarden-Summen in neue Sportstadien gesteckt und zugleich öffentliche Dienstleistungen vernachlässigt würden.