„Wir sind nicht eure Feinde“

Proteste im Iran: Demonstrant verteilt Blumen an die Sicherheitskräfte

19. November 2019 - 23:01 Uhr

Iranischer Demonstrant setzt ein Zeichen mit gelben Blumen

Blumen statt Gewalt: Auf einem Video, das bei Demonstrationen im Iran entstanden ist, ist zu sehen, wie ein Mann Blumen an die Sicherheitskräfte verteilt. Die Beamten stehen den Demonstranten mit Helmen, Schilden und kugelsicheren Westen gegenüber. Doch die rufen: "Nehmt doch diese Blumen an, wir sind nicht eure Feinde." Im Video zeigen wir die Szene.

Über 100 Menschen sollen bei den Protesten gestorben sein

Landesweit gingen im Iran Menschen auf die Straße, um gegen höhere Benzinpreise zu demonstrieren. Die Regierung ging hart gegen die Proteste vor. Nach Informationen von Amnesty International kamen mindestens 106 Menschen in 21 Städten ums Leben. Dies gehe aus Berichten hervor, die die Menschenrechtsorganisation erreicht hätten, twitterte Amnesty International.

Diese Zahl steht im krassen Gegensatz zu der, die iranische Staatsmedien veröffentlichten. Demnach sollen seit Freitag neun Menschen ums Leben gekommen sein; vier Demonstranten, drei Mitglieder der Revolutionsgarden und zwei Polizisten. Etwa 1.000 Menschen seien festgenommen worden.

Das Internet im Land wurde vier Tage in Folge gesperrt. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass es weiter Unruhen und Proteste geben könnte, auch wenn die Regierung von einer Beruhigung der Lage sprach. Medienberichten zufolge wurden auch mehrere Fußballspiele der ersten Liga in Städten im Süden und Nordwesten des Landes abgesagt.

Iranische Regierung erhöhte die Benzinpreise

Proteste gegen höhere Benzinpreise im Iran
Nachdem die Regierung die Benzinpreise erhöhte, gingen viele Menschen im Iran auf die Straße.
© via REUTERS, WANA NEWS AGENCY, AS

"Proteste dieser Art und dieses Ausmaßes sind ein Zeichen für tiefsitzende und oft begründete Missstände, die nicht einfach beiseitegeschoben werden können", sagte UN-Sprecher Rupert Colville in Genf. "Wir sind sehr besorgt über die berichteten Verstöße gegen internationale Normen und Standards hinsichtlich der Anwendung von Gewalt, eingeschlossen der Verwendung von scharfer Munition gegen Demonstranten", so Colville. Er rief die Regierung auch dazu auf, den Zugang zum Internet und zu anderen Kommunikationsformen sofort wiederherzustellen.

Der Iran steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, die durch die harten US-Sanktionen gegen das Land ausgelöst wurde. Als Konsequenz daraus hatte die iranische Regierung in der Nacht zum Freitag Benzin rationiert und zugleich die Kraftstoffpreise erhöht, was heftige Proteste auslöste.