So will Greenpeace die Shell-Pläne zur Entsorgung einer Ölbohrinsel stoppen

„Die Meere sind keine Müllhalde.“

30. Juli 2020 - 17:35 Uhr

Greenpeace-Aktivisten protestieren

"Toxic Waste": In einer waghalsigen Aktion haben Greenpeace-Aktivisten diese Botschaft vor etwa einem Jahr an einer Ölbohrinsel in der Nordsee angebracht. Mit dabei: Der Hamburger Christian Busseau. Heute ist er erneut aufgebrochen um zu protestieren.

Im Zentrum des Protests stehen die Öl-Plattformen im Brent-Ölfeld, in der Nordsee zwischen Norwegen und den Shetland-Inseln. Sie haben ausgedient, doch statt sie abzubauen, möchte der Shell-Konzern sie im Meer entsorgen. Großbritannien als Genehmigungsland plant diesem Vorhaben zuzustimmen. Wohl auch deshalb, weil sich der britische Steuerzahler an den Rückbaukosten beteiligen müsste.

Warum das aus Sicht von Greenpeace eine riesige Gefahr für die Umwelt wäre, sehen Sie im Video.

Statement von Shell

Shell teilt diese Befürchtungen nicht. Der Konzern verweist auf eigene Studien die belegen sollen, dass der Verbleib der Plattformen im Brent Ölfeld nicht zu Verschmutzungen führt:

"Unsere Modellierungen haben ergeben, dass in mehreren hundert Jahren die Lagerzellen zerfallen und die Sedimente dann mit dem umgebenden Seewasser in Kontakt kommen. Aber da die Sedimente auch dann nicht fließfähig sind, werden Auswirkungen weitestgehend auf den unmittelbaren Standort der Plattformen begrenzt bleiben und das Sediment zudem durch den Beton der zerfallenden Lagerzellen und Plattformbeine zugedeckt werden. Es wird sich langsam auf natürlichem Wege abbauen. Unabhängige Experten gehen davon aus, dass es keine bedeutsamen Auswirkungen auf die lokale Umwelt geben wird."

Ähnlicher Fall in den 90ern

Seit Jahrzehnten kämpfen die Umweltschützer bereits gegen die Entsorgungs-Politik des Ölkonzerns. Christian Busseau war schon vor 25 Jahren beim Protest dabei, als Shell plante die "Brent Spar" in der Tiefsee zu versenken. Damals besetzte er mit Aktivisten die Ölbohrinsel und wurde sogar angegriffen. "Dann fing Shell an uns zu räumen. Das war unglaublich brutal und aggressiv. Die schrien rum. Einige hatten sogar Messer in den Händen, unvorstellbar", erinnert sich Christian Busseau 2015 in einem Interview.

Für Shell blieb das nicht ohne Konsequenzen. Eine wahre Protestwelle rollte los. Überall wurden Tankstellen boykottiert. In Hamburg wurde gar eine Shell Tankstelle angezündet. Damals lenkte Shell ein und entsorgte die Plattform umweltverträglich an Land. Christian Busseau hofft jetzt, dass auch sein aktueller Protest wieder Erfolg haben wird.

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