Demo gegen Corona-Auflagen

18 Polizisten bei Auflösung von Berliner Kundgebung verletzt

Berlin, Anti-Corona-Protest Deutschland, Berlin - 01.08.2020: Im Bild ist ein Schild gegen die Coronamassnahmen auf der
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02. August 2020 - 9:23 Uhr

20.000 Menschen bei Kundgebung in Berlin

18 verletzte Polizisten – das ist die Bilanz mehrerer Demos gegen die Corona-Auflagen in Berlin. Mehrere Corona-Leugner weigerten sich am Samstagabend die Kundgebungen zu verlassen, sie widersetzten sich den Einsatzkräften, hielten weder Abstand, noch trugen sie Mundschutz. Drei Polizisten mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie die Polizei am frühen Sonntagmorgen über Twitter mitteilte.

Explosive Mischung verschiedener Gruppierungen

Trotz steigender Infektionszahlen haben Tausende Menschen dicht an dicht und ohne Masken gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie protestiert. Nach Schätzungen der Polizei schlossen sich bis zu 17.000 Menschen einem Demonstrationszug an, rund 20.000 beteiligten sich anschließend an einer Kundgebung. 

Mit Parolen wie "Wir sind das Volk" und "Wir sind die zweite Welle" forderten die Demonstranten ein Ende aller Auflagen. Es war eine explosive Mischung aus Rechten Gruppierungen, Verschwörungstheoretikern und Menschen, die ihre Freiheit und Existenz bedroht sehen, berichten RTL-Reporter. 

„Wir müssen damit rechnen, dass Corona mit voller Wucht wieder auf uns zukommt“

 Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder auf Schloß Herrenchiemsee Markus Söder wartet auf Angela Merkel mit bayerischer Gesichtsmaske, Herrenchiemsee Bayern Deutschalnd *** German Chancellor Angela Merk
CSU-Chef Markus Söder sprach sich angesichts der steigenden Zahl an Neuinfektionen gegen weitere Lockerungen aus.
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Von Seiten der Politik kommen unterdessen klare Zeichen für die Fortsetzung des Kurses zur Bekämpfung der Pandemie. CSU-Chef Markus Söder sprach sich angesichts der steigenden Zahl an Neuinfektionen gegen weitere Lockerungen aus. "Wir müssen damit rechnen, dass Corona mit voller Wucht wieder auf uns zukommt", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". Gefragt sei absolute Wachsamkeit. "Das Virus bleibt eine Daueraufgabe, die uns permanent unter Stress setzt."

Viele Menschen seien im Umgang mit dem Virus leider leichtsinniger geworden, sagte Söder. "Dazu gehören auch die extremen Lockerer und Verschwörungstheoretiker, die alle Maßnahmen schnellstens aufheben wollten."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kritisierte die Teilnehmer scharf. Die Demonstranten würden die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen und riskierten damit die Gesundheit anderer Menschen, sagte Müller in der rbb-Abendschau. Es gebe noch keinen Impfstoff und kein Medikament, man sei noch nicht über den Berg.

„Das Ende der Pandemie - Tag der Freiheit“

Zu der Demonstration unter dem Motto "Das Ende der Pandemie - Tag der Freiheit" hatte die Initiative "Querdenken 711" aufgerufen. In Stuttgart hat diese Initiative bereits wiederholt demonstriert. Kritiker dieser Proteste befürchten eine Vereinnahmung durch Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten. Den Titel "Tag der Freiheit" trägt auch ein Propagandafilm der Nazi-Ikone Leni Riefenstahl über den Parteitag der NSDAP 1935.