Protest gegen Asylpolitik: 'Ärzte ohne Grenzen' verzichtet auf EU-Gelder

© dpa, Sedat Suna

22. Juni 2016 - 15:48 Uhr

"Wir sehen jeden Tag, welches Leid die aktuelle EU-Politik verursacht."

Die Organisation 'Ärzte ohne Grenzen' will in Zukunft auf EU-Gelder verzichten. Aus "Protest gegen die Abschottungspolitik der Europäischen Union" sollen keine Finanzhilfen bei der EU und ihren Mitgliedstaaten beantragt werden. Die internationale Hilfsorganisation verzichtet damit nach eigenen Angaben auf rund 50 Millionen Euro jährlich, die sonst durch EU-Mittel zur Verfügung standen. Stattdessen sollen von nun an verstärkt private Spender für die Organisation gewonnen werden.

"Wir sehen (...) jeden Tag, welches Leid die aktuelle EU-Politik verursacht", sagte ein Sprecher von 'Ärzte ohne Grenzen' in Brüssel und begründete damit die Entscheidung der Organisation. Die Auswirkungen der Asylpolitik der Europäischen Union seien vor allem für schützenswerte Gruppen wie Schwangere, Kinder und unbegleitete Jugendliche katastrophal.

Die EU-Vereinbarung mit der Türkei gegen die Zuwanderung von Flüchtlingen über die Ägäis wurde von 'Ärzte ohne Grenzen' heftig kritisiert. Die Organisation bezeichnete sie als einen Versuch, Notleidende aus Europa fernzuhalten. Das sei ein gefährlicher "Präzedenzfall für die Politik anderer Staaten jenseits der EU". Seit die Beschlüsse in Kraft traten, säßen mehr als 8.000 Schutzsuchende, darunter auch viele Familien und unbegleitete Minderjährige, auf den griechischen Inseln fest.