Promoter von Anthony Joshua: "Größtes Indor-Boxevent aller Zeiten"

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28. Oktober 2017 - 19:04 Uhr

Der Beginn der Post-Klitschko-Ära

Am Samstag beginnt eine neue Zeitrechnung im Schwergewicht! In Kampf 1 nach seinem spektakulären Sieg gegen Wladimir Klitschko im April und dessen Rücktritt im Sommer will Weltmeister Anthony Joshua nicht nur seine WBA- und IBF-Titel verteidigen, sondern zugleich das Erbe von Wladimir Klitschko antreten.

Öffentliches Training in der St. David Hall

Gegner vor knapp 80.000 Zuschauern im Principality Stadion in Cardiff/Wales ist Carlos Takam. Der 36-jährige Franzose kamerunischer Herkunft war in der vergangenen Woche kurzfristig für den ursprünglichen Herausforderer Kubrat Pulev eingesprungen, der sich an der Schulter verletzt hatte. Takam hatte sich in den vergangenen Wochen bereits als Ersatzmann vorbereitet. RTL überträgt den WM-Kampf in der Königsklasse des Boxsports am Samstag ab 23.05 Uhr live aus Cardiff (oder online im RTL-Live-Stream bei TVNOW.de und in der TVNOW App).

Zum Auftakt der Kampfwoche fand am Mittwochabend vor rund 1.000 Zuschauern in der St. David Hall, einem Konzertsaal im Herzen von Cardiff, das öffentliche Training statt. Besonders der Herausforderer nutzte seinen Auftritt für eine intensive Trainingseinheit mit allein fünf Runden Pratzenarbeit. Am Rande sprach RTL mit Eddie Hearn, dem Promoter des WM-Kampfes.

Fast 80.000 Zuschauer werten erwartet

Mr. Hearn, was erwarten Sie sich von dem Kampfabend? 

"Wir stehen mit knapp unter 80.000 Zuschauern im überdachten Principality Stadion vor dem größten Indor-Boxevent aller Zeiten. Takam, der für den verletzten Pulev eingesprungen ist, hat einen außergewöhnlichen Punch - es wird also ein unterhaltsamer Abend."

Wie gut ist Ihr Schützling Anthony Joshua vorbereitet?

"Die Vorbereitung für Pulev war exzellent, für Takam war sie natürlich sehr dürftig, denn Anthony hatte nur zehn Tage Zeit, sich auf ihn umzustellen. Der Franzose, der ja trotz paralleler Vorbereitung nie ernsthaft davon ausgehen konnte, dass er zum Einsatz kommt, hat jetzt urplötzlich die Chance auf den WM-Titel. Anthony Joshua dagegen muss in seinem vierten WM-Kampf erstmals in eine Pflichtverteidigung, daher liegt der Druck nun auf ihm. Deswegen wird das eine ganz wichtige Nacht für Joshua."

"Wir sind offen für jeden Kampf"

Verdrücken Sie nicht manchmal noch eine Träne, dass es nicht zum Re-Match zwischen Anthony Joshua und Wladimir Klitschko gekommen ist?

"Ja und Nein. Aus sportlicher und aus wirtschaftlicher Sicht gesehen ganz sicher ja. Aber als er seinen Rücktritt verkündet hat, war ich auf eine Art auch froh. Als er im April aus dem Ring kletterte, verneigten sich 90.000 Zuschauer vor diesem unglaublichen Mann, diesem großartigen Kämpfer mit so großem Herz. Das war genau das, wonach er sich in seiner Karriere immer gesehnt hatte. Was sollte er sich noch beweisen, wo er es in Wembley doch bekommen hatte. So war es ein sehr stilvoller, ein nobler Abgang. Natürlich hätte er noch einmal in den Ring klettern können, um dann möglicherweise nach nur ein paar Runden besiegt zu werden. Natürlich hätte er in diesem Re-Match noch einmal sehr viel Geld einstreichen können. Aber genau darum ging es ihm nicht, sondern um sein Vermächtnis. Und deshalb war es alles in allem eine richtige Entscheidung von Wladimir und seinem Manager Bernd Bönte."

Kürzlich war auf Twitter zu lesen, dass Joshua gerne gegen Tyson Fury antreten wolle…

"Ob Tyson Fury, Deontay Wilder oder Joseph Parker - wir sind offen für jeden Kampf im Schwergewicht. Anthony will sich alle WM-Gürtel holen und wird deshalb gegen jeden antreten. Wer auch immer da kommt, es gibt keine Ausnahmen. Es ist immer nur eine Frage des Timings."

Und dann gab es ja kürzlich dieses Gerücht, Vitali Klitschko wolle noch einmal gegen Joshua antreten, um seinen Bruder zu rächen…

​"Ich hoffe, das war ein Scherz (lacht…). Man weiß nie, Boxen ist ein komisches Spiel. Vor dem ersten Gong-Schlag in Wembley haben sich Vitali und Anthony von Ringecke zu Ringecke jedenfalls sehr intensiv angestarrt und auch nach dem Kampf war Vitali im Ring sehr aufgebracht. Ich habe dann zu ihm gesagt, er solle ruhig bleiben und da bleiben, wo er gerade ist."