Deutsches Ehepaar unter den Verdächtigen

Rumänien: Deutsche Jugendliche wie Sklaven gehalten?

30. August 2019 - 9:59 Uhr

Albtraum statt Chance auf ein neues Leben

Es sollte für sie die Chance auf ein neues Leben sein. Doch was schwer erziehbare Kinder und Jugendliche aus Deutschland in einem Sozialprogramm in Rumänien erlebt haben sollen, klingt wie ein Albtraum.​

Projekt von staatlichen Mitteln aus Deutschland finanziert

Deutsche Kinder in Rumänien misshandelt?
Staatlich finanzierter Missbrauch beim "Projekt Maramures" in Rumänien?
© APTN

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, sollen die 12- bis 18-Jährigen im nordrumänischen Viseul de Sus über Jahre misshandelt worden sein. Ermittelt wird gegen acht Verdächtige, darunter ein deutsches Ehepaar. Alle von ihnen hätten mit dem "Projekt Maramures" zu tun, das von staatlichen Stellen in Deutschland finanziert und von einem der deutschen Verdächtigen gegründet und koordiniert worden sei, heißt es weiter. Festnahmen habe es bisher nicht gegeben. Das Programm hat eine Kontaktstelle in Potsdam.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Teenager sollen geschlagen und zu unverhältnismäßig schwerer Arbeit bei Bauern gezwungen worden sein. Medikamente seien ihnen vorenthalten und jeder Kontakt zur Außenwelt verhindert worden. Einige der Jugendlichen hätten "suizidale Absichten" gehabt, schrieben die Ermittler.

Brutale Methoden einer Umerziehung

Das Projekt verspricht, sozial schwierige oder straffällig gewordene Kinder und Teenager mit Hilfe von psychologischer Unterstützung und landwirtschaftlichen Arbeiten auf einen Hauptschulabschluss in Deutschland vorzubereiten. Das Herz des Programms schlage auf einem abgeschiedenen weitläufigen Bauernhof mit fünf Hektar Land. Auf der Homepage steht: "Das Geheimnis unserer Arbeit ist ein stets respektvoller und immer klarer Umgang mit den Jugendlichen". Von der Staatsanwaltschaft heißt es dagegen, die Teenager wurden zum Opfer "harter und brutaler Methoden einer sogenannten Umerziehung".

Nach Informationen der Lokalzeitung "Banatul azi" sei es zu den Ermittlungen gekommen, nachdem einer der Jugendlichen aus diesem Heim geflohen sei und die Behörden alarmiert habe. Die für organisiertes Verbrechen spezialisierte Einheit der Staatsanwaltschaft (DIICOT) ermittelt nun wegen Menschenhandels, Handels mit Minderjährigen und illegaler Freiheitsberaubung im Zeitraum 2014 bis August 2019.

Bürgermeister nimmt Projektbetreiber in Schutz

Um wie viele betroffene Jugendliche es sich handelt, wurde nicht mitgeteilt. Vier von ihnen seien aber nach den Vorwürfen dem rumänischen Kinderschutzamt zur Betreuung übergeben worden, sagte Vasile Coman, Bürgermeister von Viseul de Sus, der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax. Der Bürgermeister nahm die Projektbetreiber gegen die Vorwürfe in Schutz. Er habe mit einigen dieser Jugendlichen gesprochen. Sie hätten Rumänisch gelernt und würden sich dort wohlfühlen.