Projekt in Nürnberg: Darf's noch ein Stäbchen mehr sein?

Wer sich auf Corona testet, kann auch direkt Stammzellspender werden

Wer sich in Nürnberg auf Corona testen lässt, kann auch gleich Stammzellspender werden
Wer sich in Nürnberg auf Corona testen lässt, kann auch gleich Stammzellspender werden
© dpa, Julian Stratenschulte, jst fgj

20. April 2021 - 13:59 Uhr

Corona-Testung = Registrierung zur Stammzellspende

Einmal zum Testen gehen und gleichzeitig Stammzellspender werden. Das ist ab Montag an einer Nürnberger Teststraße möglich. Der Hintergrund: Seit Corona fehlen in Deutschand zig Stammzellenspender. Wie das Projekt in Nürnberg funktioniert und warum es möglichst überall Schule machen sollte, erklärt Notfallmediziner Dr. Falk Stirkat im Gespräch mit RTL.

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Ein Stäbchen mehr oder weniger - ist doch auch schon egal

Dr. Falk Stirkat hat sich das Stammzell-Projekt in Nürnberg ausgedacht
Dr. Falk Stirkat hat sich das Stammzell-Projekt in Nürnberg ausgedacht
© Hader 21

Stammzellspenden dringend gesucht! Pro Jahr gibt es laut Notfallmediziner Dr. Falk Stirkat in Deutschland rund 1500 Neuerkrankte, die Stammzellspenden benötigen, um gegen beispielsweise Leukämie oder andere Erkrankungen des blutbildenden Systems behandelt zu werden.
Wird aber innerhalb der Familie kein passender Stammzellspender gefunden, sind die Erkrankten auf Spender aus Stammzellspendendateien angewiesen. Doch die füllt sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie zu Beginn letzten Jahres nicht mehr so, wie sie es eigentlich tun sollte.

Dr. Falk Stirkat packt das Problem jetzt ganz praktisch an: Am Montag, 26.04. wird er in Zusammenarbeit mit der "Aktion Knochenmarkspende Bayern" an einer Nürnberger Corona-Teststraße jeden, der sich auf das Virus testen lässt, fragen, ob er sich denn auch gleich als Stammzellspender registrieren lassen will.

"Wir haben alle die Schnauze voll von Corona. Aber stellen Sie sich vor, Sie haben ein schwer krankes Kind – gerade jetzt brauchen wir Hoffnung!", sagt Dr. Falk Stirkat im Gespräch mit RTL.

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Genetischer Zwilling rettet Leben

Probeweise habe Dr. Stirkat bereits damit begonnen. "Bis jetzt haben sich 100 Prozent der Leute, die ich gefragt habe, auch sofort typisieren lassen.", berichtet Dr. Stirkat RTL gegenüber. "Wenn man schon mal da ist, kann man sich auch noch ein anderes Stäbchen in den Mund schieben lassen", so Stirkat weiter.

Und genau da liegt auch das Problem, warum sich letztes Jahr so wenige Menschen registrieren haben lassen, vermutet der Notfallmediziner. Denn die meisten Registrierungen finden bei Typisierungsaktionen statt, wenn also eine Organisation oder Angehörige einen Aufruf starten, sich für einen bestimmten Kranken doch bitte registrieren zu lassen, um ganz konkret zu helfen. Genau diese Aktionen habe es seit Beginn der Pandemie aber viel weniger gegeben – Versammlungsverbote, zu hoch das Risiko und die Angst der Menschen, sich mit dem Corona Virus zu infizieren, wenn sie auf viele Menschen treffen.

Dr. Falk Stirkat wünscht sich, dieses Modell aus Nürnberg würde noch vielerorts in Deutschland übernommen werden. "Vier von fünf Menschen können mit einer Stammzellspende gerettet werden.", erklärt er RTL gegenüber.