Projekt autofreie Friedrichstraße: Fünfeinhalb Monate

Autos, Busse, Lastwagen, Radfahrer und Fußgänger teilen sich die Friedrichstraße. Foto: Annette Riedl/dpa/Symbolbild
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02. Juli 2020 - 17:43 Uhr

Der schon seit längerem geplante Modellversuch zur autofreien Friedrichstraße soll nunmehr Mitte August beginnen und bis Ende Januar dauern. Die Einkaufsmeile wird für fünfeinhalb Monate zwischen Französischer Straße und Leipziger Straße für Autos gesperrt, wie der Bürgermeister des Bezirks Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), am Donnerstag mitteilte.

Für Radfahrer soll es demnach eine vier Meter breite Durchfahrt auf der Fahrbahn geben, "während zu Fußgehende zum Flanieren und Verweilen eingeladen sind". Die Belieferung und Erreichbarkeit der Geschäfte auf der Friedrichstraße sei durch ausgewiesene Ladezonen in den Nebenstraßen und Parkhäuser in unmittelbarer Nähe gewährleistet.

Für mehr Aufenthaltsqualität sollen unter anderem 65 Bäume sorgen, die der Friedrichstraße laut von Dassel "Alleecharakter" verleihen sollen. "Hochwertige Parklets mit Tischen und Sitzgelegenheiten bieten Oasen der Erholung und gastronomischen Betrieben die Möglichkeit, Gäste unter freiem Himmel zu bewirten", sagte er weiter. In gläsernen Schaukästen können Gewerbetreibende ihre Waren präsentieren. Veranstaltungen, Workshops und Designmärkte sollen das Konzept abrunden.

"Ich bin optimistisch, dass es uns gemeinsam mit allen Beteiligten gelingt, die Friedrichstraße zu einer Marke zu machen, die weit über Berlin hinaus für anspruchsvolles Gewerbe und Gastronomie steht", erklärte von Dassel. "Einkaufsstraßen haben Zukunft, wenn der öffentliche Raum nicht durch den motorisierten Individualverkehr dominiert wird."

Das Projekt, das den Angaben zufolge wissenschaftlich begleitet wird, ist umstritten. Mehrere Wirtschaftsverbände und Initiativen hatten erst diese Woche verlangt, es zu verschieben, um das Konzept zu diskutieren. Laut IHK ergab eine Umfrage mit 137 Gewerbetreibenden vor Ort, dass eine knappe Mehrheit den Versuch grundsätzlich positiv bewerte. Sie sähen aber Politik und Verwaltung in der Pflicht, zuvor gemeinsam mit Anrainern ein Maßnahmenpaket zu entwickeln.

Quelle: DPA