Prognose: 300.000 Flüchtlinge kommen dieses Jahr nach Deutschland

"Wir können uns das leisten"

Der Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, rechnet in diesem Jahr mit 250.000 bis 300.000 Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Bis zu dieser Zahl könne seine Behörde eine reibungslose Bearbeitung der Fälle garantieren, teilte er der ‚Bild am Sonntag‘ mit. Die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt wird seiner Ansicht nach eine schwierige Aufgabe. „Es wird lange dauern und viel kosten“, sagte Weise, der auch die Bundesagentur für Arbeit leitet. Er geht davon aus, dass ein Großteil der Geflüchteten erst einmal in die Grundsicherung fallen werde, auch wenn immerhin 70 Prozent derer, die gekommen sind, erwerbsfähig seien.

Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren
Die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist wird eine langwierige Aufgabe.
cul, dpa, Jens-Ulrich Koch

„Es sind Akademiker gekommen, ihr Anteil ist allerdings gering. Ich schätze, etwa zehn Prozent. Hinzu kommen noch rund 40 Prozent, die zwar keine Berufsausbildung haben, aber praktische Arbeitserfahrung“, erklärte Weise. „Wir setzen deshalb alles dran, die Menschen möglichst schnell in die Jobcenter zu bringen“, betonte er. Weise zeigte sich optimistisch, dass Deutschland das Flüchtlingsaufkommen bewältigen könne: „Die Konjunktur in Deutschland ist Gott sei Dank so gut, dass wir uns das leisten können."

Forscher kommen zu ähnlichen Schätzungen. Sie erwarten in diesem Jahr rund 300.000 bis 400.000 neue Flüchtlinge in Deutschland. Das sind rund zwei Drittel weniger im Vergleich zum Vorjahr, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erklärte. Die Zahlen gelten nur unter dem Vorbehalt, dass sich die politischen Rahmenbedingungen, wie etwa das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei und die Schließung der Balkanroute, nicht ändern.

Im letzten Jahr wurden in Deutschland rund 1,1 Millionen Flüchtlinge registriert. Wegen möglicher Doppelzählungen und Weiterreisen geht das das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von einer Zuwanderung von etwa 900.000 Menschen aus.