Er ließ seine Freundin ermorden und an Hunde verfüttern

Brasilien: Verurteilter Mörder gibt Comeback als Profi-Fußballer

Bruno Fernandes
© Imago Sportfotodienst

18. September 2020 - 15:43 Uhr

Bruno Fernandes: Zu über 20 Jahren Haft verurteilt

Dieser Mord hielt Brasilien vor zehn Jahren in Atem: Bruno Fernandes ließ seine Geliebte töten und an Hunde verfüttern. Der Torwart wurde eigentlich zu über 20 Jahren Haft verurteilt, ist aber mittlerweile im offenen Vollzug – und kehrt am Wochenende auf den Fußballplatz zurück. Viertliga-Club Rio Branco FC hat den 35-Jährigen tatsächlich verpflichtet.

Sponsoren, Mitglieder und Fans liefen Sturm nach Verpflichtung

Lokale Sponsoren kündigten, die Trainerin der Frauen-Mannschaft warf ihren Job hin, vor dem Stadion gab es einen Protestmarsch – doch der brasilianische Fußballclub Rio Branco FC hält an Bruno Fernandes fest, zum Liga-Start am Wochenende wird er zwischen den Pfosten stehen.

Rechtlich spricht nichts dagegen. Der 35-Jährige hatte im Juli 2019 ein Drittel seiner Haftstrafe abgesessen, darf wieder arbeiten und außerhalb des Gefängnisses wohnen. Jetzt will sich der Fußballer wieder auf seine Karriere konzentrieren – die vor dem Mord erfolgreich lief. Vor gut zehn Jahren hatte Fernandes dem CR Flamengo den Meistertitel festgehalten und war auf dem Sprung in die brasilianische Nationalmannschaft. 

Familie der ermordeten Frau ist fassungslos

Doch nur wenige Monate später gab der Torwart einen Mord in Auftrag. Der Brasilianer ließ seine Freundin entführen, foltern und schließlich töten. Die Leiche wurde bis heute nicht gefunden, Ermittler gehen davon aus, dass die Frau zerstückelt und womöglich an Hunde verfüttert wurde.

Der Fußballprofi ist sich trotz seiner Verurteilung keiner Schuld bewusst. "Es gibt einen Haufen von Ermittlungsfehlern", beschwerte er sich im Exklusiv-Interview mit dem Fernsehsender SBT bis heute und betonte: "Allen, die ich um Vergebung gebeten habe, haben mir verziehen. Ich kann ruhigen Gewissens schlafen."

Weiter kein Geständnis der Tat, kein Wort der Reue. Erst recht nicht des Trostes für Sonia de Fatima, für die der Verlust ihrer Tochter Eliza "eine offene Wunde ist, mit der ich sterben werde". Im Gespräch mit dem Internetportal UOL klagte sie deshalb nun: "In sieben Jahren hat er jetzt sein Leben wieder aufgebaut. Und das meiner Tochter? Wer gibt es zurück?"

Brasilianischer Club hält an neuem Spieler fest

Club-Präsident Neto Alencar hält dennoch an seinem neuen Spieler fest: "Wenn die Justiz, die dich verurteilt hat, die gleiche ist, die dich auf freien Fuß gesetzt hat, kann dich die Gesellschaft nicht daran hindern zu arbeiten."

Der Absprung des Sponsors sei verkraftbar, auch der, der Frauentrainerin, schließlich gäbe es derzeit keine richtige Mannschaft. Und die Fanproteste? Laut Clubsprecher Jairo Barbosa würden Mütter tagtäglich ihre Kinder zum Training bringen, um ein Foto mit Bruno zu machen.

So wird der verurteilte Mörder als nächste Etappe im Resozialisierungsprozess wieder das Tor eines Proficlubs hüten – für die Partie hat er ein extra entworfenes schwarzes Trikot bekommen, mit einem Phönix, dem aus der Asche entsprungenen roten Feuervogel, auf der Brust. 

Und ohne elektronische Fußfesseln. Die sind eigentlich im Bundesland Acre vorgeschrieben. Zu Spielen darf Bruno sie jetzt aber für wenige Stunden ablegen. Mit dem Image des Frauenmörders geht das nicht so einfach.

RTL.de/sid