Chef-Virologe der Uniklinik Bonn fordert: Fokus auf die Impfung legen

Hendrik Streeck: Hohe Infektionszahlen bis Februar

01. Januar 2021 - 13:25 Uhr

Hendrik Streeck: Darum werden die Zahlen bis Februar hoch bleiben

Mehr als 1.000 Corona-Tote in 24 Stunden: Die Corona-Pandemie hat Deutschland auch zum Jahreswechsel voll im Griff! Prof. Hendrik Streeck, Chef des Instituts der Virologie an der Uniklinik Bonn, zeichnet im RTL-Interview ein düsteres Bild. Er gehe davon aus, dass sich die hohen Coronazahlen auch in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres so halten werden. Der Fokus müsse auf die Impfung gelegt werden, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

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Erst mal nur eine Impf-Dosis?

Weil es derzeit nur wenig Impfstoff gibt, schlägt Prof. Streeck einen besonderen Plan vor: Die zweite Impfung später machen, damit mehr Menschen die erste Dosis erhalten können. In manchen Ländern werde das bereits diskutiert. "Die Daten haben gezeigt, dass nach der ersten Impfung schon ein Großteil der Menschen geschützt ist vor der schweren Erkrankung, also über 50 Prozent geschützt sind. Und wenn man jetzt die zweite Booster-Impfung, wie wir das nennen, die Auffrischimpfung, später gibt, könnte man durch die ersten Chargen der Impfdosen eigentlich die Impfkapazitäten verdoppeln", sagte Streeck.

Impfstoffe schwer zu vergleichen

 AstraZeneca-Symbolbild Corona-Impfstoff *** AstraZeneca Symbol image Corona vaccine
Der AstraZeneca-Corona-Impfstoff ist in Großbritannien seit dem 30.12. zugelassen.
© imago images/Martin Wagner, Martin Wagner via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Um schneller zu impfen werden mehr Impfdosen gebraucht, um möglichst schnell eine Herdenimmunität zu erreichen. Die nächste Charge soll jedoch erst Anfang Januar in Deutschland eintreffen. Eine Lösung des Problems könnte die Zulassung weiterer Impfstoffe sein. Der Impfstoff des Herstellers AstraZeneca wurde jüngst in Großbritannien zugelassen. Er soll aber eine geringere Wirksamkeit haben.

Auf die Frage, ob man sich daher lieber mit dem Impfstoff von Biontec/Pfizer impfen lassen soll, sagte Prof. Streeck: "Es ist schwer, die zu vergleichen. Leider gibt es noch keine Daten darüber, wie die Entscheidung getroffen wurde im Vereinigten Königreich, den Impfstoff zuzulassen. Der Impfstoff hat zwar anscheinend eine geringere Wirksamkeit, einer Erkrankung vorzubeugen, aber es wurde geprüft, dass er vor einer Infektion schützt. Das wurde beim Biontec/Pfizer Impfstoff noch nicht gemacht. Bei dem einen wissen wir bereits, dass es einen Schutz vor der Infektion zum Teil gibt. Das wissen wir beim Biontec/Pfizer Impfstoff nicht, aber der schützt dafür eher vor einer Erkrankung (und einem schweren Verlauf)."

Meiste Todesfälle in Alten- und Pflegeheimen

Auf die Frage, was Deutschland noch machen könne, damit die Infektions- und Todeszahlen durch Corona heruntergehen, sagte Prof. Streeck: "Wir haben wieder gesehen in den letzten Tagen, dass der Großteil der Todesfälle wieder in den Alten- und Pflegeheimen passiert. Wenn wir dort das Personal frequent testen, alle zwei, drei Tage zum Beispiel. Wenn wir dort aber auch die Besucher jedes Mal wie in einem Schleusensystem testen, verpflichtende FFP2-Masken für jeden haben, dann könnte man zumindest die größeren Einträge in diese Heime vermeiden und auch eine Verbreitung unter den Bewohnern.

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