2018 M11 15 - 10:41 Uhr

An der Nations League scheiden sich die Geister

An der Nations League im Fußball scheiden sich die Geister: Die einen wollen sie möglichst schnell wieder abschaffen, die anderen halten sie für eine gute Möglichkeit, gegen namhafte Gegner zu spielen.

Klopp: Nations League eine gute Idee - in einer anderen Sportart

Für Berti Vogts steht fest: Die Nations League ist gescheitert, "man sollte sie sofort wieder abschaffen", wie der ehemalige Trainer der deutschen Nationalelf in seiner Kolumne bei t-online.de forderte. Durch die ewigen Wettkampfspiele würde den Trainern die Zeit genommen, "in Ruhe Veränderungen einzustudieren oder einen Umbruch durchzuführen, wie es aktuell Jogi Löw versucht", so Vogts, für den die Nationenliga ein "willkürlich erdachter Wettbewerb" ist.

Auch Jürgen Klopp hatte sich als vehementer Gegner des neuen Wettbewerbs geoutet. Der Teammanager des FC Liverpool bezeichnete die Nations League gar als "sinnlosesten Wettbewerb der Welt". Früher habe er häufiger Gehör gefunden, wenn er bei einem Nationaltrainer darum bat, dieser möge einen seiner Stars schonen. Weil es jetzt immer um etwas gehe, sei dies kaum mehr der Fall. "Die Nations League ist eine gute Idee - aber macht es doch in einer anderen Sportart", sagt Klopp: "Im Fußball ist dafür kein Platz." Doch er ahnt, dass seine Kritik auf taube Ohren stößt: "Ich könnte das auch meiner Kaffeemaschine erzählen."

Für Löw überwiegt das Positive

Keinen Gehör finden könnte Klopp auch deshalb, weil er und Vogts mit ihrer Meinung alleine dastehen. "Für mich als Nationaltrainer ist die Nations League eine gute Erfindung", sagte Joachim Löw, dem mit der DFB-Auswahl der Abstieg aus Liga A droht: "Ein Wettbewerb ist mir in dieser Phase lieber als gegen die ganz Kleinen zu spielen."

Auch für Oliver Bierhoff überwiegt das Positive: Die Nationenliga habe zwar "nicht die Bedeutung einer Welt- oder Europameisterschaft", sagte der Nationalmannschaftsdirektor, "aber für uns ist es schöner, Wettbewerbsspiele gegen große Gegner zu haben als ein Freundschaftsspiel gegen Georgien."

Die Spieler wissen den Wert des Wettbewerbs richtig einzuordenen. Es gebe "sicherlich wichtigere Turniere", sagte Julian Draxler, er und seine Kollegen spürten "nicht den größten Druck" - Abstieg hin oder her. Doch Duelle wie das der deutschen Elf gegen Weltmeister Frankreich oder Erzrivale Holland, Europameister Portugal gegen Italien oder Spanien gegen England, gibt Toni Kroos zu, "klingen schon gut im Ohr".