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Pro-russische Separatisten schießen zwei ukrainische Kampfjets ab

Pro-russische Separatisten schießen zwei ukrainische Kampfjets ab

Ukrainischer Militärsprecher und Aufständische bestätigen Abschüsse

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben zwei Kampfjets der ukrainischen Luftwaffe abgeschossen. Das teilten ein ukrainischer Militärsprecher sowie die Aufständischen mit. "Das Schicksal der Piloten ist ungeklärt", sagte der Presseoffizier Alexej Dmitraschkowski in Kiew.

Zwei ukrainische Kampfjets wurden abgeschossen
Der Sender 'LifeNews' zeigt dieses Bild, welches einen der abgeschossenen ukrainischen Kampfflieger zeigen soll.

Den Separatisten zufolge waren die Maschinen vom Typ Suchoi Su-25. "Ein Pilot rettete sich bei Sneschnoje per Schleudersitz, die zweite Maschine flog zunächst schwer getroffen Richtung Norden weiter", sagte ein Sprecher. Bereits am Vortag habe die "Volkswehr" zwei Suchoi-Jets abgeschossen, behauptete er. Die Aufständischen benutzen dazu nach eigenen Angaben tragbare Raketenwerfer, die laut Experten aber nur für Treffer in niedrigen Flughöhen geeignet sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt auf schnelle EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Da der Kreml kein Interesse an einer Aufklärung des Flugzeugabsturzes gezeigt habe, halte die Kanzlerin rasche Beschlüsse für nötig, so der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. Sie sei auch bereit zu einem EU-Sondergipfel.

Die ersten Leichen werden in die Niederlande ausgeflogen

Indes herrscht Unklarheit über die Zahl der geborgenen Leichen des Flugzeugabsturzes in der Ukraine. Während 200 Leichen von den pro-russischen Separatisten in Charkiw übergeben wurden, gibt es keine Angaben, wo die restlichen knapp 100 Opfer sind. "Es ist gut möglich, dass viele Leichen weiter draußen im Freien im europäischen Sommer liegen, und Fremdeinwirkungen sowie den Verwüstungen durch Hitze und Tieren ausgesetzt sind", sagte Australiens Premierminister Tony Abbott. Inzwischen sind Särge mit den ersten Opfern der Flugzeugkatastrophe auf dem Weg in die Niederlande.

"Die Experten aus Malaysia sagen, genauere Untersuchungen müssen noch folgen. Sie gestehen auch ein, dass die Ermittlungen sehr schwierig werden angesichts der Zerstörung hier", so RTL-Reporter Jürgen Weichert vor Ort. Auch die Bergung der Leichen erweist sich als schwierig, noch immer sind knapp 100 Opfer nicht geborgen. "Aus den Sonnenblumenfeldern rings um das Wrack des Cockpits wurden Menschen geborgen, die in der Maschine vorne saßen", berichtet Weichert.

Laut Medienberichten geht der amerikanische Geheimdienst davon aus, dass die Malaysia-Airlines-Maschine von pro-russischen Separatisten "aus Versehen" abgeschossen wurde. Die USA untersucht jedoch weiterhin, ob es eine direkte Verbindung zu Russland gibt. Unabhängig davon trage Moskau jedoch eine Mitverantwortung, weil es die kremltreuen Rebellen mit Material und Training unterstütze und die instabile Situation in der Ukraine mitverursacht habe, so die US-Ermittler.

Im Umfeld der Ukraine-Krise werden immer wieder Sanktionen gegen Russland angedroht. Großbritannien hatte erst kürzlich Frankreich für Rüstungsexporte an Russland kritisiert, doch auch London liefert weiter Waffen. Laut Michael Brzoska, Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg, hat Deutschland seit März die Waffenlieferungen an Russland gestoppt. "Dual-use"-Güter wie elektronische GPS-System oder Rohstoffe wie Stahlhärter werden aber weiterhin verkauft, da sie auch im nichtmilitärischen Bereich eingesetzt werden. Ein Waffenembargo hätte laut Brzoska wohl keine schnelle Wirkung, aber es würde ein wichtiges Zeichen setzen.

Unterdessen werden die ersten Leichen heute nach Eindhoven ausgeflogen, um dann in den Niederlanden identifiziert zu werden. "Wir wollen das so gut wie möglich und so schnell wie möglich machen", sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte. Wie lange die Identifizierung dauern wird, ist allerdings unklar. "Manchmal geht das schnell, aber es kann auch Wochen oder sogar Monate dauern." Allein die Niederlande hatten bei dem Absturz 193 Tote zu beklagen. Zu Ehren der Toten herrscht heute im Land Trauertag.