2012 M07 18 - 12:57 Uhr

Wenn der Druck der Schulden zu hoch wird, ist die Privatinsolvenz teils der einzige Chance. Es ist ein schwerer Schritt, der oft am Ende eines langen Leidensweges steht. Das Bundeskabinett will die Zeit für Schuldner, um aus den Miesen raus zu kommen, halbieren.

Urlaub, Handy, Shopping. Sind die Schulden erstmal da, ist die schöne bunte Warenwelt passé. Vor einem Jahr zerplatzte die Konsumblase von Ibrahim Erdogan. Rund 15.000 Euro Schulden bei etwa einem Dutzend Gläubiger lasten schwer. "Ich hab mich schlecht gefühlt. Ich konnte nicht mehr weg, konnte kein Geld mehr ausgeben. Ich hab schon Schuldgefühle gehabt gegenüber meinen Gläubigern", sagt Erdogan.

Letzter Ausweg Privatinsolvenz: Ein Schuldnerberater hilft Erdogan jetzt dabei, die Ansprüche seiner Gläubiger zu regeln. Sechs Jahre lang - danach wird er vom Rest seiner Schulden befreit. In Zukunft soll das doppelt so schnell gehen. Der schnellere Neustart ist aber an klare Bedingungen geknüpft. Nur wer ein Viertel der Schuldensumme plus Verfahrenskosten aufbringen kann, profitiert vom neuen System.

Doch ist das realistisch? "Über 90 Prozent unserer Klienten werden nicht in den Genuss kommen, die können gar nichts zahlen", sagt der Schuldnerberater Wilfried Jahn. Am besten ist natürlich, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Finanzcoach Stefanie Kühn weiß, wie Finanzprobleme entstehen: "Ganz typische Warnsignale sind, wenn der Dispo ständig ausgereizt ist. Wenn man alles auf Kreditkarte, weil man weiß, das wird erst in 6 Wochen abgebucht." Richtig ernst werde es, wenn man von Monat zu Monat anfängt auszuwählen: Welche Rechnungen zahle ich jetzt?

Spätestens dann sollte man wie Ibrahim Erdogan eine Schuldnerberatung aufsuchen. Damit der Weg in die Privatinsolvenz erspart bleibt.