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Private Schule in Schweinfurt: Gesamter Jahrgang fällt beim Fachabi durch

Private Schule in Schweinfurt: Gesamter Jahrgang fällt beim Fachabi durch

Wird der Schule jetzt die Genehmigung aberkannt?

Nach dem Scheitern eines kompletten Jahrgangs beim Fachabitur an einer bayerischen Privatschule nimmt das Kultusministerium die Bildungsqualität der Einrichtung unter die Lupe. Es sei offensichtlich, dass die Schüler nicht aus eigenem Verschulden durchgefallen seien, sagte der Sprecher des Ministeriums, Ludwig Unger. "Es ist von einer schlechten Vorbereitung auszugehen." Nun steht sogar die Genehmigung für die Schule auf dem Spiel.

Gesamter Jahrgang fällt durchs Fachabi
In Schweinfurt ist ein ganzer Jahrgang durch das Fachabi gefallen.
dpa, Federico Gambarini

Während sich dieser Tage viele Abiturienten auf die bestandenen Prüfungen und eine lernfreie Zeit freuen, haben die 27 Schüler der Ersten Privaten Fachoberschule Schweinfurt (EPFOS) keinen Grund zur Freude. Alle Schüler sind durch die schriftlichen Fachabiturprüfungen gefallen. In den Fächern Mathematik, Technik und Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen bekamen alle die Note sechs.

Die Schüler mussten die gleichen Abiturprüfungen ablegen wie alle Schüler in Bayern - dort werden die Reifeprüfungen zentral vom Kultusministerium gestellt. Die EPFOS als "staatlich genehmigte" Schule muss ihre Abituranwärter an "staatlich anerkannte" Lehranstalten schicken, damit diese dort als Externe ihre Reifeprüfung ablegen dürfen. Die 27 Pennäler traten daher an der Friedrich-Fischer-Schule in Schweinfurt an - und scheiterten.

"Wir haben uns total verarscht gefühlt"

140 Euro Schulgeld zahlen die Schüler jeden Monat, plus Aufnahmegebühr. Die Eltern der Schüler haben nun eine Rechtsanwältin eingeschaltet - sie werfen Schulinhaber und Geschäftsführer Michael Schwarz vor, sie belogen zu haben und das "Unschuldslamm" zu spielen. Schwarz hätte verstanden, wenn "acht, neun, zehn oder sogar die Hälfte" gescheitert wären, aber mit diesem Debakel sei nicht zu rechnen gewesen, zitiert ihn das Blatt. Die Rechtsanwältin wolle nun eine Klage auf Schadenersatz nicht ausschließen, suche aber vor allem mit dem Kultusministerium und der staatlichen Friedrich-Fischer-Fachoberschule nach einer schnellen Lösung.

Der erste Abijahrgang der Schule, die 2011 gegründet worden war, fiel mit Pauken und Trompeten durch. Keiner der Schüler erreichte in den drei Pflichfächern auch nur einen der 15 möglichen Punkte. "Als wir erfuhren, dass wir alle durchgefallen sind, haben wir uns total verarscht gefühlt", beschrieb die Schülerin Kristina Krein der 'Bild'-Zeitung die Stimmung in ihrer Klasse. In der 11. Klasse seien ihnen gute Noten nachgeschmissen worden. In der 12. Klasse sei dann niemand mehr mitgekommen - inklusive der Lehrer. Krein wolle die Schule nun verklagen.

Ob die Schüler ihr Fachabitur nun an einer staatlichen Schule nachholen können, muss noch geprüft werden. Zunächst müsse der Wissensstand in den zentralen Fächern jedes Einzelnen getestet werden, sagte Unger. Möglich sei, dass einige Schüler gar in die elfte Klasse zurückgestuft würden. "Wir wollen aber kulant sein", räumte er ein. "Das ist ein absolutes Desaster für die Schüler und Eltern. Sie verlieren ein bis zwei Jahre", sagte die Sprecherin des bayerischen Elternverbandes, Ursula Walther. Einen Ratschlag erteilte sie auch noch: "Ich würde mein Kind ohnehin nicht auf eine staatlich genehmigte Schule schicken, weil ich nicht sicher sein kann, dass dort die Standards ausreichen."