Ur-Enkel George und Co seien noch zu jung für Prinz Philips Beerdigung

Ab wann können Kinder mit zu einer Beerdigung?

Kinder auf Beerdigungen mitnehmen? "Auf jeden Fall", sagt die Münchner Trauerpädagogin Renata Bauer-Mehren. Symbolbild.
Kinder auf Beerdigungen mitnehmen? "Auf jeden Fall", sagt die Münchner Trauerpädagogin Renata Bauer-Mehren. Symbolbild.
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13. April 2021 - 18:39 Uhr

Trauerpädagogin sagt: Kinder gehören dazu!

Die Ur-Enkel George, Charlotte und Co werden nicht auf Ur-Opa Philips Beerdigung sein. Die Begründung laut Medienberichten: Sie seien dafür noch zu klein. Aber ab welchem Alter können Eltern ihre Kinder mit zu einer Beerdigung nehmen? Bei welchen Verwandten und Bekannten ergibt es Sinn? Wie verabschieden Kinder sich richtig - und wann wird es ihnen zu viel? Wir haben mit der Münchner Trauerpädagogin Renata Bauer-Mehren darüber gesprochen. Sie sagt: Kleine Kinder gehören bei Beerdigungen auf jeden Fall dazu.

Trauerfeier von Prinz Philip auch wegen Corona im engsten Kreis

Die Urenkel von Prinz Philip werden bei der Trauerfeier am kommenden Samstag nicht dabei sein. Die Kinder von Prinz William und Herzogin Kate - George, Charlotte und Louis - seien nach Angaben der königlichen Familie zu jung, um bei der im Fernsehen übertragenen Trauerfeier dabei zu sein, berichten Nachrichtenagenturen. Gleiches gilt demnach auch für den Nachwuchs der Queen-Enkelinnen Zara Tindall und Prinzessin Eugenie. Die Trauerfeier muss aber auch aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen im kleinsten Familienkreis mit maximal 30 Teilnehmern stattfinden.

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Kinder tragen schwerer daran, ausgeschlossen zu sein

Sollten Kleinkinder und Kinder tatsächlich noch nicht an einer Beerdigung teilnehmen? Muss man sie davor emotional schützen? "Nein, Kinder gehören bei der Beerdigung von nahen Verwandten, Opa oder Oma, Tante oder Onkel, auf jeden Fall dazu", sagt Trauerpädagogin Renata Bauer-Mehren. "Wenn wir bei unserer Arbeit bei den Erwachsenen nachfragen, bekommen wir immer wieder zu hören: 'Wenn der Opa gestorben war, wurden wir zu irgendeiner Nachbarin gegeben' - und das ist Gift, weil die Kinder spüren: Da ist etwas los, was sie nicht sehen dürfen, wo sie nicht mit dabei sein dürfen - und da tragen sie dann schwer dran."

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Kinder spüren die Trauer so oder so

Gibt es also auch kein bestimmtes Alter, ab dem Kinder reif genug sind, um an einer Trauerfeier oder Beerdigung teilzunehmen? Das Alter der Kinder spiele dabei keine Rolle, erklärt uns Bauer-Mehren. Sie selbst habe bei der Beerdigung ihrer Mutter ein Baby dabei gehabt und als es geschrieen habe, hätten die Leute entsetzt geguckt - da es ja die Trauer stören würde. "Das ist ganz alte Schule", sagt die Trauerexpertin uns.

Die Haltung, den Kindern das Schwere nicht zeigen zu wollen, wenn die Erwachsenen weinen, weil sie sonst verstört werden - das sei "wirklich großer Quatsch". Denn die Kinder würden so oder so spüren, dass wir traurig sind: "Wir sollten sie lieber einfach mit auf den Schoß setzen oder jemand Anderes kümmert sich dort um die Kinder", so Bauer-Mehren.

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Mit den Kindern darüber reden

Bei welchen Verwandten, Freunden und Bekannten ergibt es Sinn, die Kinder mitzunehmen? "Das muss jeder für sich entscheiden, aber wenn die Trauer besonders groß ist", sagt uns die Trauerexpertin, "dann muss man mit den Kindern darüber reden und ihnen erklären, dass man auf eine Beerdigung geht, ab einem gewissen Alter sollte man die Kinder dann auch fragen, ob sie mit wollen."

Manchmal sagen Kinder dann auch Nein - dann sollte man sie dazu auch nicht zwingen. Wenn Kinder auch bei einem nahen Verwandten nicht mit zur Beerdigung gehen wollen, sollte man allerdings versuchen herauszufinden, was dahinter steckt, so Bauer-Mehren. "Wenn es Angst ist, dann darf man sie natürlich nicht überfordern."

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Niemals sagen, der Verstorbene sei eingeschlafen!

Wie verabschieden Kinder sich richtig und wann wird es ihnen zu viel? "Natürlich muss man mit ihnen reden und ihnen erklären, zum Beispiel: Großvater ist tot." Man dürfe niemals sagen, der Verstorbene sei eingeschlafen. Denn: Dann haben die Kinder irgendwann Angst vor dem Schlafen gehen. Man sollte die Kinder ruhig mit dem Tod und dem Sterben sich auseinandersetzen lassen. "Man kann den Kindern keinen Schmerz ersparen", sagt die Trauerpädagogin. "Wenn man sie ausbootet und ausschaltet, weil man sie schützen will, dann bewirkt man genau das Gegenteil, die bekommen dann eher Angst, als wenn sie dabei sein dürfen."

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Die Kinder könnten zum Abschied den Sarg anmalen

Sogar den Verstorbenen noch einmal anschauen dürfen, sei ganz was Wichtiges: "Wenn wir Beerdigungen machen, dann gibt es den offenen Sarg, da können die Kinder mitgucken. Es ist immer jemand dabei, der erklärt, warum der Opa jetzt anders ausschaut, aber er schaut friedlich aus", schildert die Expertin. "Man darf sogar auch anfassen. Oder die Kinder können auch Bilder malen als Grabbeigabe oder sogar den Sarg anmalen, das ist eine wunderbare Idee!" Denn: Wenn wir Erwachsenen einen natürlichen Umgang mit Tod und Sterben pflegen, dann haben die Kinder den auch. Wenn die Kinder Angst haben, dann hat es meistens mit uns Erwachsenen zu tun.

PROGRAMMTIPP: RTL überträgt Beerdigung von Prinz Philip

Die Beerdigung von Prinz Philip wird am Samstag, den 17. April 2021, ab 14 Uhr (deutsche Zeit) stattfinden. RTL überträgt die Zeremonie live.

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Spaß haben, das Leben auskosten, in den Tag hineinleben – das Leben von Jugendlichen ist vor allem von Leichtigkeit geprägt. Doch was passiert, wenn sich der Tod in das Leben eines jungen Menschen schleicht? Das Lebenskonzept wird durch diese emotionale Ausnahmsituation durcheinander gebracht, es entsteht ein Zwiespalt zwischen Trauer und Heiterkeit. Während Erwachsene sich zum Trauern oft zurückziehen, nehmen manche Jugendliche kurz nach einem Todesfall die Einladung zu einer Geburtstagsparty an. Das heißt jedoch keinesfalls, dass es ihnen leichter fällt, einen Tod zu verkraften.

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