Berliner Gemeinde will offene Kirche

Priester klagt gegen Gottesdienst-Verbot: "Wir sind mindestens so wichtig wie ein Baumarkt"

06. April 2020 - 22:32 Uhr

Katholiken aus Berlin klagen gegen Gottesdienst-Verbot

Karfreitag und Ostern ohne öffentliche Gottesdienste - das hat es in der tausendjährigen Kirchengeschichte wohl noch nie gegeben. Und das soll auch so bleiben, geht es nach dem Willen von Propst Gerald Goesche vom "Freundeskreis St. Philipp Neri" in Berlin. Der 59-jährige Geistliche nennt das Gottesdienst-Verbot "unverhältnismäßig" und sagt den Behörden den Kampf an.

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Goesche: Wir können den Mindestabstand einhalten

Große Kirchen, aber keine Gottesdienste. Der Mindesabstand könnte in den Gotteshäusern vermutlich leichter eingehalten werden als in manch einem Gartencenter oder Supermarkt. Dennoch gilt wegen der Coronakrise ein absolutes Verbot von öffentlichen Gottesdiensten. Probst Goesche zieht deshalb vor Gericht. Er hält eine juristische Überprüfung des aktuellen Verbots für notwendig. "Wir stellen einen Antrag auf die Möglichkeit, die Gottesdienste so zu halten, wie das eben bis vor drei Wochen noch möglich war", sagt der Priester, "wir sind mindestens so wichtig wie ein Baumarkt."

Weil Ostern - der wichtigste christliche Feiertag - vor der Tür steht, will Goesche alles daran setzten, so schnell wie möglich wieder Messen feiern zu dürfen. "In der Kirche selbst konnten und können wir den geforderten Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gläubigen gewährleisten. Darin haben wir Übung", so Goesche. Außerdem sei das Verbot ein schwerwiegender Eingriff in die Religionsfreiheit, kritisiert der 59-Jährige. Ein Sprecher des Berliner Verwaltungsgerichts erklärte, der Eilantrag sei eingegangen. Es soll im Lauf der Woche über ihn entschieden werden.

Gleiche Regeln wie für Supermärkte

Teile der Katholischen Kirche missbilligen offenbar den Vorstoß von Probst Goesche. In Kreisen der Deutschen Bischofskonferenz heißt es laut der "Süddeutschen Zeitung", dieses Vorgehen sei weder Position noch Linie der Katholischen Kirche in der Corona-Krise. Es handle sich vielmehr um einen Alleingang. Zu groß sei die Gefahr, dass sich die Kirche zum Infektionsherd entwickeln könnte.

Doch Goesche lässt das alles kalt: "Wenn Sie zum Supermarkt gehen können, wenn Sie zum Baumarkt gehen können, wenn Sie sogar mit der S-Bahn zur Arbeit fahren müssen, dann kann ich hier die besten hygienischen Bedingungen garantieren." Dass die Katholische Kirche nicht gegen das Gottesdienst-Verbot vorgehe - besonders vor Ostern - sei "eine Riesenenttäuschung".

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