Pressestimmen nach Japan-GP: "Lewis Hamilton schenkt Nico Rosberg den Titel"

12. Oktober 2016 - 16:11 Uhr

Nach dem Sieg von Nico Rosberg beim Formel-1-Rennen in Japan sieht die internationale Presse den Mercedes-Piloten klar auf Titelkurs. Teamkollege und Weltmeister Lewis Hamilton haben die meisten Beobachter dagegen schon abgeschrieben.

GROSSBRITANNIEN: Hamilton drückt den Selbstzerstörungsknopf

The Times: Bei Mercedes knallten noch die Korke, da hatte Lewis Hamilton den Ort der Schmach schon verlassen. Als er merkt, dass die Weltmeisterschaft durch seine Finger gleitet, wird er von einem übermütigen Witzbold zu einem mürrischen Loser.

The Guardian: Das verlorene Wochenende des Lewis Hamilton, der zweite große Schlag innerhalb einer einzigen Woche. Während er ein Rennen, das er eigentlich unbedingt gewinnen musste, schon am Start verliert, legt sein Rivale Nico Rosberg eine Hand an den WM-Pokal. Die Snapchat-Affäre, seine Affinität für die sozialen Medien - all das ein Beweis für Hamiltons bodenlose Reserve an Kindlichkeit.

Daily Telegraph: Lewis war angetreten, seine schwindenden Titelhoffnungen mit einem Sieg wieder zum Leben zu erwecken, aber dieser Traum war bereits wenige Sekunden nach dem Verlöschen der Startampel zerstört. Als Hamilton die erste Kurve erreichte, war Nico Rosberg schon am Horizont verschwunden - vermutlich mit dem WM-Pokal im Gepäck.

Daily Mirror: Lewis muss sich nach seinem Debakel am Start etwas sehr Gutes einfallen lassen, um Nico noch abzufangen. Rosberg kann sich jetzt vier Rennen ohne Sieg leisten - Hamiltons Chancen standen schon mal besser. Er darf jedenfalls keinen einzigen Fehler mehr machen.

The Sun: Während Hamilton den Selbstzerstörungsknopf drückt, schenkt er Nico Rosberg den Titel. Noch bevor das Rennen richtig losgegangen ist, hat Lewis Hamilton schon alles verloren. Nach seinem frustrierenden Start ist der Titelkampf für den Champion so gut wie beendet, und das weiß er auch. Respekt vor Nico Rosberg: Er hält sich aus allem raus und macht keinen einzigen Fehler.

Daily Mail: Jetzt kann Lewis nur noch ein Wunder helfen. Durch einen erneut miserablen Start hat er die Zügel aus der Hand gegeben. Die letzten vier Rennen könnten zu einer sehr schmerzhaften und öffentlich Demütigung für den Champion werden - seine Krone sitzt jedenfalls schon sehr schief auf seinem Kopf.

The Independent: Das Wochenende hat eine Seite von Hamilton offenbart, die man zuvor selten gesehen hatte: verletzlich, die Niederlage hinnehmend und wissend, dass er diesmal am Ende nur Zweitbester sein wird.

ITALIEN: Vettel und Kimi brauchen endlich ein ordentliches Auto

Gazzetta dello Sport: Rosberg greift nach dem WM-Titel. Nico ist in blendender Form und diese letzte Verschärfung läuft in seinem Kopf, was man nicht über Hamilton sagen kann. Vettels Auto zeigt nach den Aerodynamik-Änderungen endlich eine Reaktion, doch Fehler bei der Reifenwahl beeinträchtigen die Leistung. Mercedes ist unumstritten, Red Bull ist perfekt in der Strategie, Ferrari nicht. Vettel und Kimi brauchen endlich ein ordentliches Auto. Ferrari sollte einen Leader wie Vettel noch enger an sich binden.

Corriere dello Sport: Rosberg beherrscht auf langweilig perfekte Weise das ganze Rennen. Er feiert einen der wichtigsten Siege seiner Karriere, der für den WM-Titel von entscheidender Bedeutung ist. Ferrari findet das Tempo und eine Wettbewerbsfähigkeit wieder, die Maranello zuletzt verloren hatte. Zum ersten Mal in seiner Karriere steht Vettel in Suzuka nicht auf dem Podium.

Tuttosport: Wieder einmal ein Rennen ohne Podium für Ferrari, das erneut seine eigene Strategie hinterfragen muss. Rosberg baut seinen Vorsprung aus, für Hamilton gerät die WM außer Kontrolle.

La Repubblica: Ferrari sieht sich mit dem dritten strategischen Fehler und einer erneuten Blamage konfrontiert. Die Frage lautet: Was macht Ferrari in der Box? Suzuka ist ein weiterer schwerer Schlag für die Strategen aus Maranello. Die Ferrari-Fans trauern Superhirn Ross Brawn nach.​

Corriere della Sera: Rosberg hat jetzt einen geraden Weg vor sich, an dessen Ende jener Titel wartet, von dem er seit seiner Kindheit träumt. Er ging durch das Haus, der kleine Nico, um die Trophäen seines Vaters Keke herum. Für Hamilton wird es schwierig, er verliert am Start die Nerven, während Ferrari immer tiefer in der Krise versinkt. Maranello erlebt eine Saison zum Vergessen, in der selbst Platz zwei in der Konstrukteurswertung ernsthaft gefährdet ist.

SPANIEN: Das muss Nicos Jahr sein

Marca: Rosberg hat das Siegergesicht, Alonso wieder mal ein GP2-Auto. Bemitleidenswerter Start von Hamilton, der von sechs Autos überholt wird. Der Weltmeister hat zwar immer noch Chancen, doch der Titel rückt für ihn in immer weitere Ferne. Der Deutsche hat bereits 33 Punkte Vorsprung und beginnt langsam, wie der Weltmeister auszusehen. Sein Vater war 1982 Weltmeister, und dazu reichte ihm damals ein einziger Sieg. Nico hat den Titel hingegen auch nach fast zehn Siegen noch nicht sicher. Für Vettel wäre mit einer anderen Strategie mehr drin gewesen als nur der vierte Platz - nicht zum ersten Mal in dieser Saison.

AS: Rosberg gewinnt und baut seine WM-Führung aus. Ein Riesenschritt des Deutschen mit dem Sieg in Suzuka und dem dritten Platz von Hamilton. Was für ein mieser Start des Weltmeisters, er blieb fast stehen. Das muss Nicos Jahr sein, das muss es einfach sein. Ferrari patzte mal wieder, als es um die richtige Strategie für Vettel ging.

Sport: Rosberg im Eiltempo Richtung Titel. Hamiltons Schwachpunkt bleibt der Start, deshalb wartet auf Rosberg der erste WM-Titel seiner Karriere. Wieder mal ein strategischer Fehler von Ferrari, der Vettels Rennen zerstörte.

El Mundo Deportivo: Ein unfehlbarer Rosberg, der alles richtig machte. Horrorstart von Hamilton, Ferrari und Vettel wieder mal nicht auf dem Podium.

El País: Dies war der 23. Sieg für Rosberg, der sich als viel soliderer und mental stärkerer Fahrer erwiesen hat als manche dachten. Er hat sich unter vielen Gesichtspunkten stark verbessert, besonders beim Start. Für Hamilton wird die Lage hingegen immer komplizierter.

La Vanguardia: Nur eine Katastrophe bei Mercedes könnte noch verhindern, dass Rosberg zum ersten Mal den Titel holt.

FRANKREICH: Signale stehen für Hamilton auf Rot

L'Équipe: Wie kann man nicht Champion sein, wenn man neun Rennen gewonnen hat? Das ist die Frage, die Nico Rosberg bis zum Ende der Saison beantworten muss. Wie auch immer es ausgeht, der Deutsche hat alles getan, um seinen ersten Weltmeistertitel zu holen.

RTL: Die Zahl der Enttäuschungen, die Lewis Hamilton nach der Sommerpause aufgehäuft hat, sind inzwischen beunruhigend. Vier Große Preise vor dem Ende der Meisterschaft stehen für den Briten alle Signale auf Rot.

ÖSTERREICH/SCHWEIZ: WM-Leader übt schon einmal die großen Jubelgesten

Kronenzeitung: Nach nur 400 Metern des Grand Prix von Japan in Suzuka war Nico Rosberg dem Gewinn seiner ersten Weltmeisterschaft einen weiteren großen Schritt näher gekommen. Lauda schreibt Hamilton bereits ab: 'Wenn das alles normal weitergeht, wird Lewis Nico nicht mehr erwischen. Das ist für mich sonnenklar.' Selbst wenn Hamilton alle vier ausstehenden Rennen gewinnen und Rosberg stets Zweiter werden würde, könnte der Brite seinen Rivalen in der WM nicht mehr abfangen.​

Kurier: Nun hat es Rosberg in der Hand. Nach dem Sieg des Deutschen in Japan kann Hamilton nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden.

Neue Zürcher Zeitung: Nico Rosberg siegt auch in Japan, Mercedes ist wieder Formel-1-Weltmeister - und der WM-Leader übt schon einmal die großen Jubelgesten.

Blick: Nico Rosberg darf langsam, aber sicher mit seinem ersten WM-Titel liebäugeln. Dank dem Sieg in Suzuka baut der Deutsche seine Führung in der Fahrer-WM auf 33 Punkte aus. Teamkollege und Erzfeind Lewis Hamilton wird nämlich nur Dritter. Noch vier Rennen sind 2016 zu fahren. Und jetzt steht fest: Aus eigener Kraft kann Hamilton nicht mehr Weltmeister werden.