Die Pressestimmen zu Vettels Ferrari-Aus

"Sebastian Vettel zahlt einen hohen Preis für die vielen Fehler, die er bei Ferrari begangen hat"

Monaco, Monte Carlo - May 26, 2016: FIA Formula One World Championship WM Weltmeisterschaft with Sebastian Vettel (Scud
Monaco, Monte Carlo - May 26, 2016: FIA Formula One World Championship WM Weltmeisterschaft with Sebastian Vettel (Scud
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15. Mai 2020 - 16:16 Uhr

Die Pressestimmen zu Vettels Ferrari-Aus

Sebastian Vettel verlässt Ferrari. Seine Fans glauben, dass die Entscheidung für beide Seiten das Beste ist. Aber wie urteilt die internationale Presse? Ein Überblick.

Italien:

Corriere della Sera "Zwischen Vettel und Ferrari herrschte schon seit längerer Zeit eisiger Wind. Der frühzeitige Niedergang des Sterns Vettels ermöglicht Leclerc, im F1-Firmament noch mehr zu glänzen. Leclerc ist im Laufe einer Saison zum Lieblingssohn Ferraris aufgerückt. Jetzt will Maranello auch auf Carlos Sainz setzen. Der Spanier ist intelligent und geschätzt, hinzu ist er nicht so anspruchsvoll wie Lewis Hamilton. Jetzt heißt es für Maranello, für ein wettbewerbsfähiges Auto zu arbeiten."

Gazzetta dello Sport "Die Trennung von Vettel und Ferrari hat einen Domino-Effekt auf dem schlafenden Markt der F1-Piloten ausgelöst. Die fast sichere Verpflichtung von Carlos Sainz seitens Maranellos wird bei McLaren einen Platz frei lassen, den wahrscheinlich Daniel Ricciardo übernehmen wird. Auch Vettel hat mit McLaren gesprochen, doch offenkundig liegen seine Forderungen über deren Möglichkeiten."

Corriere dello Sport "Sebastian Vettel zahlt einen hohen Preis für die vielen Fehler, die er bei Ferrari begangen hat. Seit 2013 hat er keine WM mehr gewonnen, seit Singapur 2019 hat er keinen Sieg feiern können. Vettel hat zunehmend unter der Konkurrenz seines jungen Teamkollegen Charles Leclerc gelitten, der bei gleicher Auto-Qualität wesentlich schneller ist. Carlos Sainz und Daniel Ricciardo sind die beiden Kandidaten im Rennen um einen Platz bei Ferrari. Keine Chancen gibt es dagegen, Lewis Hamilton im Ferrari-Cockpit zu sehen."

Il Fatto quotidiano "Fünf Jahre, 14 Siege und keinen Titel: Die Beziehung zwischen Ferrari und Vettel ist in die Brüche gegangen und wird Ende 2020 beendet. Schon seit längerer Zeit hatte man mit einer Trennung gerechnet. 2015 war es Liebe auf den ersten Blick zwischen dem Deutschen und den Ferrari-Tifosi. Doch die ausgebliebenen WM-Titel und zu viele Fehler haben eine Beziehung ruiniert, die nach dem Erfolg Leclercs endgültig zerbrach."

La Stampa "Das Ende einer Liebesgeschichte: Ende des Jahres trennen sich die Wege von Vettel und Ferrari. Jeglicher Versuch, den Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern, wie die Scuderia vorgeschlagen hatte, ist gescheitert."

Tuttosport "Carlos Sainz ist die erste Wahl für Maranello, der sich zwar von Vettel getrennt hat, jedoch noch keinen passenden Nachfolger gefunden hat. An Kandidaten fehlt es zwar nicht, Maranello braucht jedoch jemandem, der dem Temperament Leclercs Stand halten kann."

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Großbritannien

BBC Sport "Als Sebastian Vettel Ende 2014 bei Ferrari als Nachfolger von Fernando Alonso unterschrieb, träumte er davon, seinem Kindheitshelden Michael Schumacher nachzueifern und mit dem italienischen Team die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Stattdessen endete seine Zeit in Maranello im Frust, unerfüllt. Vierzehn Siege, ja, aber Team und Fahrer haben ihre Ziele nicht erreicht, und bis zu einem gewissen Grad liegt der Grund dafür bei Vettel. Im Verlauf seiner Ferrari-Karriere sah Vettel immer weniger wie der Fahrer aus, der von 2010 bis 2013 mit Red Bull vier Mal hintereinander Weltmeistertitel holte."

Sky Sports News "Obwohl Vettel die Meisterschaft sowohl in der Saison 2017 als auch in der Saison 2018 lange Zeit anführte, wurde er beide Male von Hamilton überholt und wurde für seine Fehler auf der Rennstrecke kritisiert. Ferrari hat es dann versäumt, den Schwung ins letzte Jahr mitzunehmen, stattdessen wurde die Saison durch den internen Kampf zwischen ihrem neuen und ihrem etablierten Star geprägt. Leclerc und Vettel hatten zahlreiche Krisenherde auf der Strecke und eine Kollision in Brasilien, die das Rennen beendet hat, obwohl die beiden betont haben, dass sie abseits der Rennstrecke gut miteinander auskommen."

The Independent "Beobachter hatten erwartet, dass er (Vettel) Michael Schumachers Rekord von sieben Formel-1-Titeln bricht. Das liegt nun in Reichweite von Weltmeister Lewis Hamilton, der sechs hat. Hamiltons Aufstieg mit Merceds ging einher mit Vettels schrittweisem Abstieg bei Ferrari."

The Telegraph "Die Trennung ist der Höhepunkt der außergewöhnlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Scuderia und ihrem Starfahrer. (...) Mit Blick auf die jüngsten Ergebnisse von Vettel ist es verständlich, dass Ferrari mit einem weiteren Dreijahresvertrag zögerte. In den Jahren 2017 und 2018 gab der Deutsche durch entscheidende Fehler den Meisterschaftsvorteil an Hamilton ab, und in 2019 wurde er vom jungen monegassischen Teamkollegen Charles Leclerc regelmäßig in den Schatten gestellt und landete in der Gesamtwertung auf einem entfernten fünften Platz."

Österreich

Der Standard "Die Saison in Corona-Zeiten ist Sebastian Vettels letzte bei Ferrari. Der viermalige Formel-1-Weltmeister kehr der enttäuschten Scuderia frustriert den Rücken. Das baldige Karriereende des Deutschen ist nicht völlig auszuschließen. (...) So enthusiastisch die Zusammenarbeit vor mehr als fünf Jahren verkündet wurde, so unterkühlt wurde am Dienstag ihr baldiges Ende avisiert."

Kurier "Ferrari sucht die Erfolgsspur: Das Problem sitzt nicht im Cockpit (...) Sebastian Vettel und Ferrari trennen sich mit Jahresende nach dann sechs gemeinsamen Jahren. Damit folgt der Rennstall seiner jahrzehntelangen Strategie: Die Piloten sind austauschbar, sobald sie in der roten Göttin nicht mehr schnell genug über die Runden kommen."

Die Presse "Der große Traum des Deutschen, 32, es seinem Vorbild Michael Schumacher gleichzutun, scheint endgültig geplatzt. Nach vier WM-Titeln mit Red Bull Racing wollte er - wie 'Schumi' nach Erfolgen mit Benetton - bei den Italienern zur Ikone aufsteigen. Der Versuch, diese Ära zu wiederholen, ist jedoch kläglich gescheitert. Zerbrochen an den eigenen Nerven, der (motorischen) Übermacht von Mercedes und auch den Fahrkünsten von Lewis Hamilton, der Vettel in wichtigen Phasen stets im Rückspiegel sah und kontrollierte."

Schweiz

Blick "Das wochenlange Trauerspiel um einen neuen Ferrari-Vertrag für Sebastian Vettel (32) hat ein Ende. Vielleicht haben sich Daniel Ricciardo (30), der bei Renault nie glücklich wurde, und Carlos Sainz jr. (25), bei McLaren eigentlich gesetzt, in Maranello angeboten. Für ein Trinkgeld. Und auch Ferrari muss in Zukunft sparen, wenn die Budgetobergrenze auf rund 140 Millionen Dollar (und später noch weniger) limitiert wird. Oder hat der hochintelligente Vettel vielleicht gemerkt, dass ihm mit seiner Loyalität bei Ferrari hinter den Kulissen ein Gegenwind ins Gesicht blies?"

Tages-Anzeiger "Vettel kam als Heilsbringer zu Ferrari - und geht als Gescheiterter». (...) Am Anfang stand ein Traum. Er entwickelte sich zum Albtraum. (...) Ferrari verlor in der internen Zerreissprobe zwischen Jung talent und vierfachem Weltmeister die Kontrolle. Deshalb ist Vettels Schritt, wenn auch zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, nicht nur nachvollziehbar, sondern nötig."

Neue Zürcher Zeitung "Die Trennung von Vettel und Ferrari als Ende eines Irrtums. Vettel ist nicht nur an den vielen Fehlern gescheitert, die er mit einem meist unterlegenen Auto unter Druck gemacht hat, sondern auch am Schlingerkurs der Ferrari-Führung. So hatte Mattia Binotto in der zweiten Saisonhälfte 2018 das Rennauto in die falsche Richtung entwickelt - was Vettel seiner bisher besten Titelchance beraubte."

Frankreich

L'Équipe "Seit gestern gibt es keinen Zweifel mehr, wenn es für einige noch Zweifel gab, dass Leclerc in Maranello die Nummer eins geworden ist. In weniger als zwei F1-Saisons hat es der 22-jährige Monegasse geschafft, einen viermaligen Weltmeister (2010, 2011, 2012, 2013) auszuschalten, die interne Alchemie bei Ferrari umzukrempeln (...). Seit gestern ist es daher eine Selbstverständlichkeit, dass die Zukunft der Scuderia mit der von Leclerc verbunden ist. (...) In weniger als einem Kalenderjahr wurden die Messen gesungen, der Kaiser begraben und der neue König inthronisiert. Die Machtergreifung war bonapartistisch, schnell, chirurgisch und - fast - reibungslos."