Parlament gedenkt der Toten von Christchurch

Premierministerin Jacinda Ardern als Krisenmanagerin: Die Frau, die Neuseelands Wunden heilt

23. März 2019 - 17:23 Uhr

„Sie werden von mir niemals seinen Namen hören“, sagt sie über den Massenmörder

Neuseeland gedenkt der 50 Toten von Christchurch und Jacinda Ardern tut dies auf besondere Weise. "Salem Aleikum", so begrüßte die Premierministerin das Parlament, "Friede sei mit Euch." Es folgt ein gemeinsames islamisches Gebet der Politiker. Anschließend stellte sie eines klar: "Sie werden von mir niemals seinen Namen hören." Seit Tagen ist sie unterwegs, spendet Trost, gibt ihren Landsleuten Kraft. Ist ein Vorbild. Mehr über die beeindruckende Persönlichkeit - in unserem Video!

Zum Massenmörder von Christchurch sagt die 38-Jährige: "Er wollte viele Dinge mit seinem Akt des Terrors zu erreichen. Eines davon war, berühmt zu werden. Deshalb werden Sie von mir niemals seinen Namen hören", so Ardern.

Auch zur Rolle von sozialen Medien beim Terror von Christchurch bezieht die Regierungschefin klar Stellung. Sie fordert von den großen Internet-Konzernen wie Facebook und Google, ihrer moralischen Verantwortung gerecht zu werden und die Verbreitung solcher Videos zu verhindern. "Das darf kein Fall sein, in dem es allein um Profit geht, nicht um Verantwortung." Sie kritisiert, dass vier Tage nach dem Blutbad noch immer ein 17-minütiges Video im Internet zu finden ist, das große Teile des Verbrechens zeigt.

Kritik an Facebook und Youtube wegen Terror-Video

17.03.2019, Australien, Wellington: Jacinda Ardern (M), Premierministerin von Neuseeland, tröstet eine Frau während ihres Besuchs der Kilbirnie-Moschee. Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) sind mindestens 50 Menschen get
Jacinda Ardern (Mitte) tröstet eine Frau während ihres Besuchs einer Moschee. „Wir sind in Trauer vereint", sagte sie. Ardern trug ein Hidschab, wie ihn Musliminnen tragen.
© dpa, Uncredited, kde

Das Attentat bezeichnete sie als einen "der dunkelsten Tage" in der Geschichte des Landes. Für den Mörder und seine Gesinnungsgenossen hat sie eine klare Botschaft: "In unserem Zuhause gibt es keinen Platz für sie. Sie mögen sich uns ausgesucht haben - aber wir lehnen sie ab und verurteilen sie ganz und gar."

Bei ihrem Besuch in einer Moschee nahm sie sich auch die Zeit, ohne Kameras mit Hinterbliebenen zu reden. "Das sind kleine Gesten, die für uns sehr viel bedeuten", sagte ein Mitglied der muslimischen Gemeinde danach. Neuseelands Premierministerin ist nicht für die Kameras unterwegs, sondern für die Menschen. Das ist zu spüren, das ist glaubwürdig. Jacinda Ardern ist die Frau, die Neuseelands Wunden heilt.