13. Juni 2019 - 9:53 Uhr

Prozess in Potsdam

Ein Polizist steht in Potsdam vor Gericht, weil bei einem Unfall mit seinem Einsatzfahrzeug ein Ehepaar ums Leben gekommen war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nach dem Blaulichtunfall an einer Kreuzung fahrlässige Tötung vor. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

„Ich möchte mein tiefstes Mitgefühl ausdrücken“

Prozess im Amtsgericht Potsdam: Angeklagter Daniel H.
Zu Beginn des Prozesses wandte sich der Angeklagte Daniel H. (2. von links) an den Sohn des getöteten Ehepaares.

Zu Beginn des Prozesses wandte sich der angeklagte Polizist David H. mit brüchiger Stimme an Jens Z., den Sohn des getöteten Ehepaares: "Es tut mir unglaublich leid. Ich stehe wie er (der Sohn; Anm. d. Red.) jeden Morgen damit auf und gehe abends damit ins Bett", sagte er. "Ich möchte mein tiefstes Mitgefühl ausdrücken."

Er habe nach dem schrecklichen Crash neben der Unfallstelle gesessen "und alles lief wie im Film ab", sagt er weiter.

Viele offene Fragen zum Unfallhergang

Das Gericht muss nun folgende Fragen zum Unfallhergang klären:

  • Stand die Ampel für den Polizeiwagen auf Grün oder Rot?
  • Waren die Sondersignale (Blaulicht und Martinshorn) zum Unfallzeitpunkt noch notwendig/berechtigt?
  • Können weitere Augenzeugen oder Daten der Polizei noch zur genauen Klärung des Unfallherganges beitragen? (hierzu wurde die Auslesung der GPS-Daten des Polizeiwagens durch Nebenklage beantragt)

Das war passiert

Klaeger
Jens Z. (links), der Sohn des getöteten Ehepaares.

Bei dem Unfall im Oktober 2017 im brandenburgischen Teltow waren die Eltern von Jens Z. ums Leben gekommen. Ihr Auto kollidierte mit dem Polizeiwagen. Durch die Wucht des Zusammenpralls starben Michael (70) und Antje (60) Z. noch am Unfallort. Polizist David. H. und sein Beifahrer erlitten schwere Verletzungen.

Ein Gutachten der Prüfgesellschaft Dekra habe seinerzeit ergeben, dass Daniel H. keine rote Ampel überfahren hatte, berichten die "Potsdamer Nachrichten". Ein Fahrfehler der Polizisten wurde ausgeschlossen.

Inzwischen gehe man vom Gegenteil aus, heißt es weiter. Es soll aufgrund von Zeugenberichten nachträglich Ergänzungen zum Gutachten gegeben haben, zitiert das Blatt die Staatsanwaltschaft. Es sei klar, dass die Polizisten die rote Ampel mit hoher Geschwindigkeit überfuhren.

Laut "B.Z." war das Polizeiauto mit etwa 90 Stundenkilometern unterwegs, während Michael Z. höchstens 30 km/h schnell fuhr.