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Porträt: Hugo Chavez, der "Vater der Nation"

Porträt: Hugo Chavez, der "Vater der Nation"

Hugo Chavez Staatstrauer Tod
Hugo Chavez war neben seinem Ziehvater Fidel Castro die Ikone der Linken in Lateinamerika
dpa, epa efe Alejandro Ernesto

Sein Leben war ein steter Kampf

Hugo Chavez hat viele Schlachten geschlagen, die letzte, die gegen den Krebs hat er verloren. Er war streitbar und umstritten, wurde geliebt und gehasst: Hugo Chavez war neben seinem Ziehvater Fidel Castro die Ikone der Linken in Lateinamerika. Seit 1999 steuerte er Venezuela auf Kurs Sozialismus, und die meisten seiner Landsleute folgten dem "Vater der Nation".

Vor allem die Chavistas in den Armenvierteln zeigten ihrem "Primer Mandatario" oft bedingungslose Treue. Der Ex-Militär war sicher kein Paradebeispiel eines seriösen Politikers und auch kein Vorzeigedemokrat europäischen Maßstabes. Aber die Mehrheit stand hinter ihm. Daran ließ die Wahl am 7. Oktober 2012, rund fünf Monate vor seinem Tod keinen Zweifel.

Dabei keimte für viele Unterstützer noch am 18. Februar Hoffnung auf, als der 58-Jährige nach über zwei Monaten aus Kuba zurückkehrte. "Wir sind in der venezolanischen Heimat zurück. Danke, mein Gott! Danke, geliebtes Volk!", twitterte Chavez nach seiner Ankunft. Es stiegen Freuden-Raketen in den Himmel von Caracas. Seitdem war Chavez im Militärkrankenhaus "Dr. Carlos Arvelo". Doch was einigen schon schwante, traf dann doch ein: Der Comandante kam wohl letztlich zum Sterben in seine Heimat.

Sein Leben war ein steter Kampf, und wenn Menschen nach ihren Freunden und Feinden beurteilt werden, dann war die Liste von Chavez aussagekräftig. Sein Lieblingsfeind war bis zuletzt die US-Regierung, die der wortgewaltige Venezolaner aufs Korn nahm und die für ihn nur das "Yankee-Imperium" war. Freundschaften pflegte der Ex-Oberstleutnant hingegen in seiner Regierungszeit zu zweifelhaften Kollegen, wie Mahmud Ahmadinedschad (Iran), Syriens Baschar al-Assad, Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi und Alexander Lukaschenko (Weißrussland). Die Castros auf Kuba waren bis zur allerletzten Stunde engste Weggefährten.

Die meisten seiner Landsleute störten diese illustren Beziehungen wenig. Auch wenn die Opposition in Venezuela Sturm lief gegen die Chavistas und deren Mission der bolivarischen Revolution, konnte sich Chavez trotz aller Unkenrufe auf seine Klientel, die Armen im Land verlassen. 1999 trat er mit 44 Jahren als jüngster Präsident Venezuelas das Amt erstmals an. Nach der Annahme einer neuen Verfassung gewann Chavez auch 2000 mit klarer Mehrheit die Präsidentschaftswahl. 2002 überstand er einen Putsch. 2006 gewann er die nächste Wahl und am 7. Oktober triumphierte er mit über 55 Prozent so klar, dass die Opposition den Sieg rückhaltlos anerkannte.

Legendäre Hass-Tiraden auf George W. Bush

Nach Ansicht vieler Oppositioneller schuf Chavez aber diktaturähnliche Zustände in dem südamerikanischen Land, das auf Grund seines immensen Rohstoffreichtums zu den größten Ölexporteuren der Welt zählt. Er regierte mit Dekreten, enteignete große Multis, schloss Radio- und TV-Stationen und sympathisierte mit den marxistischen FARC-Rebellen in Kolumbien. Zudem war Chavez omnipräsent in Venezuela.

In der wegen ihrer Länge gefürchteten Sonntagssendung "Aló, Presidente" legte er in bester Fidel-Castro-Manier stundenlang in Anwesenheit von Partei-Claqueuren seine Sicht der Dinge dar. Es gab über 370 Ausgaben. Jahrelang war der frühere US-Präsident George W. Bush seine Lieblings-Zielscheibe. Seine Hasstiraden gegen ihn sind legendär und Chavez beschimpfte Bush auf Spanisch und Englisch. "Völkermörder, Feigling, Alkoholiker", waren nur einige Titel, die Chavez für Bush parat hielt.

Doch abseits aller Polemik und Kampfrhetorik stellte Chavez mit seiner Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) gezielt die Weichen für die dritten Phase der bolivarischen Revolution (2009-2019). Es gab eine deutliche Machtkonzentration zugunsten des Zentralstaates. Bis 2019 war er gewählt, doch konnte er am 10. Januar 2013 seinen Amtseid wegen der schweren Krankheit nicht ablegen, seine Regierung blieb aber im Amt.

Im Fernsehen, im Radio und auf Ladeflächen von Wahlkampflastwagen hatte er seinen Widersachern in den vergangenen Jahren immer wieder trotzig und donnernd zugerufen: "Uh, Ah, Chavez no se va!" (Chavez geht nicht). Der Staatschef, der sein Projekt auf Südamerikas Freiheitshelden Simón Bolívar bezog, musste sich nicht der Opposition und auch keinen Putschisten beugen. Doch gegen die Krankheit waren er und auch die besten Ärzte Kubas und Venezuelas zum Schluß machtlos.