Porto angeschlagen: der Torjäger fehlt, schlägt die große Stunde eines Altstars?

21. April 2015 - 15:56 Uhr

Als einziges Team hat es der FC Porto ohne Niederlage ins Viertelfinale der 'Königsklasse' geschafft. Doch ausgerechnet vor dem größten Spiel seit Jahren plagen den Champions-League-Sieger von 2004 vor den Duellen mit dem FC Bayern schmerzhafte Ausfälle. Besonders die Adduktorenbeschwerden von Top-Torjäger Jackson Martinez, dem nur noch eine Wunderheilung helfen könnte, trifft die Portugiesen hart.

Porto angeschlagen: der Torjäger fehlt, schlägt die große Stunde eines Altstars?
Portos Trainer Julen Lopetegui (r.) muss wohl gegen die Bayern auf seinen Top-Stürmer Jackson Martinez verzichten.
© imago/GlobalImagens, imago sportfotodienst

Für den Kolumbianer wird es ein Rennen gegen die Zeit. Auch wenn die medizinische Abteilung des Tabellen-Zweiten der Primeira Liga mit Hochdruck an einem schnellen Martinez-Comeback arbeitet, zumindest fürs Hinspiel rechnet Trainer Julen Lopetegui nicht mit dem Führenden der portugiesischen Torjägerliste (17 Treffer).

"Er ist nicht nur wegen der Tore wichtig", stöhnte Lopetegui, der eigentlich eher als nüchterner Fußballehrer gilt, nach dem Sieg bei der Generalprobe beim FC Rio Ave (3:1). Auch wenn sich Porto vor allem durch ein starkes Kollektiv definiert, Martinez macht an guten Tagen den Unterschied. "Jackson hält den Ball geschickt, verteilt gut, ist als Anspielstation eminent wichtig", sagt sein spanischer Trainer deshalb. Fünf Treffer schoss der dürre Angreifer in dieser Saison schon in der Champions League. Schlimmer hätte es für den Bayern-Gegner also kaum kommen können. Zumal auch Flügelflitzer Christian Tello mit einem Muskelfaserriss wohl in beiden Duellen passen muss. Die Leihgabe vom FC Barcelona hatte in den fünf Pflichtspielen vor seiner Verletzung ebenfalls fünfmal eingenetzt.

Doch abschreiben sollte man die Blau-Weißen keinesfalls. Gerade die ausgewogene Qualität auf der Bank verhalf Porto bislang zum Erfolg. Joker-Tore (schon fünf Stück in der CL) zeichnen das Team aus. Jetzt müssen eben die Edelreservisten wie der Kameruner Vincent Aboubakar, der im 4-3-3-System die erste Alternative als zentraler Angreifer für Martinez ist, in die Bresche springen. In der Abwesenheit Tellos dürfte auch der Algerier Yacine Brahimi gegen die Bayern von Anfang an über links auflaufen. Der 25-Jährige trug sich auch schon fünfmal in der Torschützenliste der 'Königsklasse' ein.

Quaresma zurück im Rampenlicht

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Zuletzt wieder besser in Form: Ricardo Quaresma
© REUTERS, MIGUEL VIDAL

Über rechts komplettiert wohl ein alter Bekannter die Offensivreihe der Portugiesen: Ricardo Quaresma. Der 'wilde Mustang', wie ihn die Leute in Portugal früher nannten, ist nach Stationen bei Inter Mailand, Chelsea, Besiktas Istanbul und zuletzt beim Al-Ahli Club in Dubai zurück in Porto – dort, wo er zwischen 2004 und 2008 zum Star reifte, später aber nie den endgültigen internationalen Durchbruch schaffte. Die zuletzt enttäuschenden Stationen haben ihm den Ruf eingebacht, sich nur zu zerreißen, wenn er Lust hat.

Letzteres scheint im Moment der Fall, zehn Mal stand der mittlerweile 31-Jährige in diesem Jahr schon in der Startelf und erzielte sechs Liga-Treffer. Sogar in die Nationalelf wurde er wieder berufen, erstmals seit 2012. "Für mich ist alles, was noch kommt, eine große Ehre", sagt Quaresma. Gelingt die Überraschung gegen die Münchner, dürfte er wieder ähnlichen Heldenstatus bei den Porto-Fans genießen wie vor seinem Abschied.

Aber auch wenn sich Lopeteguis Team vor allem über die Offensive definiert (schon 66 Tore in der Meisterschaft), hat auch die Defensive einiges zu bieten. Die Verteidiger, allen voran der stellvertretende Kapitän Danilo, fielen durch ihr Kompromisslosigkeit in den Zweikämpfen und schnellen Aufbau über die Außen auf. Der 23 Jahre alte Brasilianer hat sich in vier Jahren im Club enorm entwickelt, nicht umsonst überweist Real Madrid im Sommer 31,5 Millionen Euro für den schnellen und dribbelstarken Außenverteidiger. Auf der anderen Seite setzt Landsmann Alex Sandro die Akzente. In der Mitte machen Maicon und Martins Indi dicht. Vor der Abwehr hat Real-Leihgabe Casemiro bewiesen, dass er für größere Aufgaben berufen ist. Der 23-Jährige würde nur zu gerne seinen Stammverein in einem möglichen Halbfinale oder Finale ärgern.

"Die Spieler haben sich solche kolossalen Träume verdient. Sie dürfen sie genießen. Denn sie wissen auch, dass sie sich dafür zerreißen müssen", macht Coach Lopetegui seinen Mannen auf die wohl letzte verbliebene Titelchance heiß. Im Pokal ist das Team schon raus. In der Meisterschaft hat Rivale Benfica Lissabon nach dem Double im vergangenen Jahr auch diesmal sechs Spieltage vor Schluss wieder die Nase vorn. Die Bayern erwartet also auch ohne einige Stammkräfte ein extrem aggressiver und hochmotivierter Gegner, der mit breiter Brust auf seine Außenseiterchance lauern wird.