Wie gefährlich sind SUVs wirklich?

Berlin: Video zeigt die letzten Sekunden vor dem tödlichen Crash

17. September 2019 - 16:09 Uhr

Im Video rast der SUV über die Gegenfahrbahn

Nach dem schweren Unfall in Berlin-Mitte ist ein Video aufgetaucht, das die letzten Sekunden zeigt, bevor ein Porsche-Fahrer in eine Fußgängergruppe schleudert. Vier Menschen wurden bei dem Unfall getötet, darunter auch ein drei Jahre alter Junge. Der Berliner Unfallsachverständiger Dr. Michael Weyde hat sich die Aufnahmen, die wir im Video zeigen, angeschaut. Seine Meinung ist eindeutig: "Hier ist jemand grob verkehrsgefährdend unterwegs gewesen."

Sind SUVs gefährlicher als andere Autos?

Nach dem Unfall gab es Diskussionen, ob SUVs in Innenstädten verboten werden müssten. Im RTL-Interview erklärt der Experte, dass in dieser Situation die Gefahr gar nicht von dem SUV ausgegangen sei, sondern von der Fahrweise des Unfallfahrers. Es müsse offensichtlich sein, dass man Menschenleben gefährde, wenn man mit so hohem Tempo auf der Gegenfahrbahn an einem Stau vorbei rase.

"Wem das nicht klar und offensichtlich ist, der hat entweder ein so großes Problem, dass er gar nicht in den Straßenverkehr gehört, sondern in eine geschlossene Anstalt oder aber ihm ist das das Leben und die Unversehrtheit anderer Menschen egal", meint der Unfallsachverständige.

Experte hält ein SUV-Verbot für unsinnig

Dr. Michael Weyde, Sachverständiger für Schäden und Bewertung von Kraftfahrzeugen
Dr. Michael Weyde, Sachverständiger für Schäden und Bewertung von Kraftfahrzeugen
© RTL

Ein SUV-Verbot sei aus seiner Sicht nicht erforderlich, denn Fahrradfahrer oder Fußgänger seien durch SUVs nicht mehr gefährdet als durch andere Autos auch. "Allein das große Massenverhältnis eines jeden Pkws gegenüber dem Fußgänger oder dem Fahrradfahrer ist immer ungünstig", erklärt Weyde. Die Statistik würde zeigen, dass in Berlin die meisten Unfallopfer ohnehin nicht durch den Kontakt mit dem Fahrzeug, sondern durch den Kontakt mit der Fahrbahn sterben. Wichtiger sei es, sinnvolle Tempolimits einzuführen und diese dann auch durchzusetzten, meint der Experte.

Polizei ermittelt nun gegen den Porsche-Fahrer

Schwerer Unfall mit vier Toten in Berlin
Der Unfallwagen in Berlin wurden durch die Wucht des Aufpralls komplett zerstört.
© dpa, Paul Zinken, pdz tba wst

Noch ist die genaue Unfallursache nach dem tödlichen Crash in der Invalidenstraße aber noch unklar. Die Polizei hat jetzt allerdings Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen. Auch Anwohner hatten ausgesagt, dass der Wagen, wie im Video zu sehen ist, mit hoher Geschwindigkeit die stehenden Autos auf der Gegenfahrbahn überholte. Dann geriet der Porsche-SUV auf den Gehweg, überfuhr vier Menschen, knickte einen Ampelmast und mehrere Poller um, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem verwilderten Grundstück zum Stehen.

Der Fahrer und zwei weitere Insassen im Auto wurden durch die heftige Kollision verletzt. Der 42-Jährige liegt noch immer im Krankenhaus. Die Polizei hatte zunächst auch einen medizinischen Notfall beim Fahrer als Unfallursache nicht ausgeschlossen. Jetzt soll der genaue Ablauf noch mit einem 3D-Modell nachgestellt werden, um zu rekonstruieren, wie es zu dem tragischen Unglück kommen konnte.