„Wie Schwerverbrecher behandelt“

Oma Gerda (76) soll Polizisten verprügelt haben – und muss vor Gericht!

3. Dezember 2019 - 22:41 Uhr

Sie wollte die Tür nicht aufmachen!

Zugegeben, der Fall klingt extrem skurril – aber ist wohl genauso passiert. Gerda M., eine 76-jährige Rentnerin, soll die Polizei nicht in ihre Wohnung gelassen haben. Dann soll sie sogar handgreiflich geworden sein. Das erste Verfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wird gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Die Geschichte geht aber weiter: Ein Polizist will 1.500 Euro Schmerzensgeld, weil die Rentnerin ihn auf die Nase geschlagen und ihn dabei einen Nasenbein-Anbruch verpasst haben soll.

„Den Dienstausweis habe ich in jedem Fall vorgelegt.“

Gerda M, vor Gericht
Hat diese 76-jährige Frau einen Polizisten geschlagen?
© RTL

Der Anlass für die Verhandlung am Amtsgericht Göttingen ist eigentlich ein Missverständnis: Anfang 2017 wollen drei Polizeibeamte die Wohnung des Sohnes von Gerda M. durchsuchen – wegen des Verdachts der Urkundenfälschung. Der hat aber nur einen Briefkasten in dem Haus. Polizist Uwe H. sagt in der Verhandlung: "An der Wohnungstür hing ein Schlüssel, aber kein Türschild. Die Dame machte die Tür auf. Ich habe mich ausgewiesen und sie darauf hingewiesen, dass ihr Schlüssel draußen hängt. Ich habe sie gefragt, ob hier ein Achim M. wohnt. Sie sagte, den kenne sie nicht und knallte die Tür vor unserer Nase zu."

„Sie ist gezielt auf mich zu und hat mir auf den Kopf getrommelt“

Dem Beamten zufolge kommt es dann beim zweiten Versuch, in die Wohnung zu gelangen, zu Handgreiflichkeiten. Der Lebensgefährte der Rentnerin öffnet zwar kurz die Tür, doch wieder soll die Polizei eigentlich draußen bleiben. Dann bekommen die Beamten einen Fuß in die Tür. "Frau M. kam dann mit erhobenen Händen auf mich zugestürzt und hat, meine ich, mit der Faust mehrfach gegen meinen Kopf geschlagen. Meine Brille ist vom Kopf geflogen."

„Geschlagen habe ich ihn nicht. Ich habe auch nicht geschrien.“

Als die Beschuldigte dann ihre Sicht der Dinge schildern darf, wirkt sie aufgewühlt. Ihre Geschichte klingt ganz anders. "Ganz schlimm hat er sich benommen. Er hat keinen Ausweis gezeigt. Er hat nicht gefragt, wie ich heiße. Er ist reingestürzt und auf mich zu." Ihr zufolge werden sie und ihr Lebensgefährte auf das Sofa bugsiert, dürfen nicht aufstehen, nicht ans Telefon gehen. Vor Gericht sagt sie deutlich: "Geschlagen habe ich ihn nicht."

Im zweiten Video erzählt Oma Gerda, was aus ihrer Sicht an ihrer Haustür passiet ist.

„Es ist nicht das erste Mal, dass es so weit gekommen ist“

Die Zeugen, die mit Uwe H. am Tag des Vorfalls unterwegs waren, beschreiben ihren Kollegen als explosiv. Die Beamten waren wohl nicht immer einer Meinung. Die Stimmung vor Ort wird nicht als freundlich beschrieben, es ist von einem Gerangel die Rede. "Frau M. schlug mehrere Male mit der flachen Hand auf Herrn H. ein. Die Brille ist dabei heruntergeflogen", sagt einer der Zeugen. Welche der beiden Parteien Recht hat, bleibt heute offen: Eine Entscheidung wird erst Anfang Januar erwartet.