Polizisten schlagen Juden bei Antisemitismus-Einsatz ins Gesicht – Täter und Opfer verwechselt

13. Juli 2018 - 14:05 Uhr

Folgenreiches Missverständnis bei Antisemitismus-Einsatz

Ein 20-Jähriger schlägt einem 50-Jährigen die Kippa vom Kopf, prügelt mehrfach auf ihn ein und brüllt "kein Jude in Deutschland". Mitten in Bonn – Antisemitismus in seiner ganzen Widerwärtigkeit. Die herbeigerufene Polizei verschlimmert diese grausame Situation durch eine Täter-Opfer-Verwechslung noch: Die Beamten überwältigen den jüdischen Professor, er wehrt sich gegen seine Festnahme und kassiert Schläge ins Gesicht. Wie kann das passieren?

"Polizeiliche Einsatzkräfte hielten den Professor irrtümlich für den Aggressor"

Die Bonner Polizei erklärt das so: Als der Angreifer die Sirenen der Polizei hörte, ließ er von seinem Opfer ab, riss sich sein T-Shirt vom Leib und rannte mit entblößtem Oberkörper davon. Da der Professor seinem Peiniger nachsetzte, bot sich für die Polizisten bei ihrer Ankunft eine unübersichtliche Situation. "Als sich die polizeilichen Einsatzkräfte den beiden Personen dann von zwei Seiten näherten, hielten sie den Professor, der auch auf mehrere Aufforderungen der Beamten, stehen zu bleiben, nicht nachkam, irrtümlich für den Aggressor", erklärt die Polizei in ihrer Mitteilung.

Der 50-Jährige wehrte sich gegen seine Festnahme, wurde überwältigt und dabei ins Gesicht geschlagen. Erst dann konnte seine Begleiterin, die die Polizei alarmiert hatte, aufklären. Der 20-jährige Deutsche mit palästinensischen Wurzeln wurde gestellt und vorläufig festgenommen. Er ist nach Polizeiangaben "auf dem Gebiet der Gewaltkriminalität und aufgrund von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz bekannt."

Polizei entschuldigt sich bei jüdischem Professor

Für den Vorfall entschuldigte sich die Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa persönlich bei dem 50-Jährigen, der in den USA lebt. "Ein schreckliches und bedauerliches Missverständnis im Einsatzgeschehen, für das ich bei dem betroffenen Professor ausdrücklich um Entschuldigung gebeten habe", erklärte die Polizeipräsidentin. Die Polizei werde genau prüfen, wie es zu dieser Situation gekommen sei und wie "solche Missverständnisse" zukünftig zu vermieden werden könnten.