Kameramann zu Boden gerissen und gewürgt

Prügel-Polizist will die Wahrheit verdrehen – und fliegt auf

07. September 2020 - 19:34 Uhr

Prügel, weil er nach seinem Namen gefragt wurde

Ein Polizist reißt einen Kameramann zu Boden und würgt ihn. Nur, weil der nach seinem Namen gefragt hatte. Vor Gericht will der Prügel-Polizist die Wahrheit verdrehen. Aber seine Rechnung geht nicht auf: Ein Video beweist seine Lügen. Die Szenen zeigen wir oben.

Kameramann hat heute noch Albträume

Als Julian Stähle (26) im September 2019 über einen SEK-Einsatz in Beelitz in Brandenburg berichten will, läuft die Situation plötzlich aus dem Ruder. Routinemäßig filmt der Kameramann in der Kleinstadt Treuenbrietzen eine Absperrung. Plötzlich nähert sich Polizist Thomas M. Auf die völlig normale Frage nach seinem Namen hin rastet er aus und verletzt Julian Stähle schwer. Andere Polizisten sehen tatenlos zu.

Fünf Wochen lang ist der 26-Jährige nach dem Angriff krankgeschrieben. Er hat starke Schmerzen, bis heute quälen ihn Albträume.

Lügen des Prügel-Polizisten kommen vor Gericht raus

Als er bei den Kollegen des Polizisten Anzeige erstatten will, erlebt der Kameramann eine böse Überraschung: Auf einmal soll er der Täter sein – und Polizist Thomas M. angegriffen haben.

Im August steht Julian Stähle wegen der Anschuldigungen vor Gericht. Die Polizisten behaupten alle, Julian Stähle habe den Beamten mit seiner Kamera geschlagen und sei hingefallen.

Video von Prügelattacke entlastet Julian Stähle

Doch der Anwalt des Kameramanns bringt ein Video von dem Vorfall als Beweismittel ein, und endlich kommt die Wahrheit ans Licht. Das Lügengerüst des Prügel-Polizisten fällt in sich zusammen. Julian Stähle wird sofort freigesprochen.

Julian Stähle hofft jetzt, dass Thomas M. wegen Körperverletzung im Amt verurteilt wird und nie wieder als Polizist arbeiten darf. Und dass seine Kollegen in Zukunft nicht mehr versuchen, Straftaten durch Lügen zu vertuschen.

Update, 7.9.2020: Beteiligte Polizisten in Innendienst versetzt

Nach unserer Berichterstattung vergangene Woche gab die Polizei heute bekannt, dass gegen die beteiligten Polizisten mittlerweile ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Es werden außerdem Vorwürfe der Falschaussage geprüft. Außerdem wurden alle in den Innendienst versetzt. Kameramann Julian Stähle dazu: "Ich freue mich, dass die Polizei jetzt endlich reagiert hat. Ich hoffe, dass sowas in Zukunft nicht noch mal vorkommt – und dass der Vorfall lückenlos aufgeklärt wird."