Geschmacklos-Vorfall bei Biker-Treffen in Augustburg (Sachsen)

Polizist macht Handy-Foto von Hitler-Imitator statt einzugreifen - Staatsschutz ermittelt

14. Januar 2020 - 9:08 Uhr

Polizist hätte Auftritt "ohne Wenn und Aber" unterbinden müssen

Dieses Video empört derzeit viele Menschen: Auf einem Biker-Treffen im sächsischen Augustusburg fährt ein Motorrad vor, es sieht aus wie eine Maschine der deutschen Wehrmacht. Im Beiwagen sitzt jemand, der sich wie Adolf Hitler zurecht gemacht hat. Das Gespann parkt direkt neben einem Polizeiauto ein. Ein Polizist findet den Pseudo-Hitler offenbar lustig und fotografiert die Szene mit seinem Handy. Das hat jetzt ein Nachspiel.

Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung

Das Schloss Neu-Augustusburg
Schloss Neu-Augustusburg in Sachsen.
© deutsche presse agentur

Die Polizei teilte mit, dass das Staatsschutz-Dezernat der Chemnitzer Kriminalpolizei die Sache prüfe. Der Mann im Beiwagen steht unter Verdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, auch Volksverhetzung steht im Raum.

Auch der Polizist muss mit Konsequenzen rechnen. Mit ihm werde ein "kritisches Gespräch" geführt, außerdem drohen dienstrechtliche Konsequenzen. Grund dafür sei, dass der Auftritt durchaus eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstelle. "Wir hätten deshalb vom Kollegen erwartet, dass er dies ohne Wenn und Aber unterbunden hätte", so ein Sprecher.

Veranstalter distanziert sich

Der Veranstalter distanzierte sich: Der Auftritt des Mannes als Hitler-Kopie sei absolut intolerabel, sagte eine Sprecherin. Er sei dem Sicherheitspersonal nicht aufgefallen. Man werde Vorkehrungen treffen, um solche Vorfälle künftig auszuschließen.

Zu dem Biker-Treffen waren am vergangenen Wochenende 1.800 Motorradfahrer und rund 7.500 Besucher zum Schloss Augustusburg gekommen