Polizist fälschte Amri-Akte – um seine Fehler zu vertuschen

Verstörende Bilder: So sah es nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz aus.
Verstörende Bilder: So sah es nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz aus.
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj fpt kde fux jai

03. Juli 2017 - 16:19 Uhr

Attentäter wäre vielleicht früher gestoppt worden

Ein Berliner Kriminalkommissar fälschte nachträglich Akten zum Berliner Terrorattentäter Amri. Der Polizist wollte damit vermutlich eigene Fehler verschleiern, sagt ein Sonderermittler. Ohne diese Fehler wäre Amri vielleicht schon früher polizeilich gestoppt worden.

Auch der Kommissariatsleiter hat versagt

ARCHIV - HANDOUT - Die Bildkombo zeigt die am 21.12.2016 vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Fahndungsfotos des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri. (zu "Medien: Islamischer Staat drängte Anis Amri zu Attentat", ACHTUNG: Nur zur r
Mit diesen Fotos fahndete das Bundeskriminalamt nach dem Terror-Mörder von Berlin.
© dpa, -, kde wst kde tba htf

Der Sonderermittler zum Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche hat Manipulationen in Akten der Kriminalpolizei zum Attentäter Anis Amri bestätigt. Er habe Hinweise, dass außer dem bislang bekannten Verfasser des gekürzten Berichts noch ein weiterer Kriminalpolizist beteiligt gewesen sei, sagte der Sonderermittler Bruno Jost bei der Vorstellung des Zwischenberichts im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Versagt habe zudem die zuständige Fachaufsicht, also der zuständige Kommissariatsleiter.

"Keine Hinweise auf flächendeckendes Fehlverhalten der Polizei"

Eine trauernde Frau legt am 21.12.2016 am Anschlagsort auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin Blumen nieder und zünden Kerzen an. Bei dem Anschlag mit einem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am Montagabend (19.1
Eine trauernde Frau legt am 21. Dezember 2016 am Anschlagsort auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin Blumen nieder.
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj kno

Zugleich verteidigte Jost die Arbeit der Polizei gegen allgemeine Beschuldigungen. "Eine undifferenzierte und pauschale Verurteilung der Polizei und des LKA ist aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt". Es habe "keine Hinweise auf flächendeckendes Fehlverhalten der Polizei" gegeben.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen gekaperten Lastwagen auf den Berliner Weihnachtsmarkt gesteuert. Beim bislang schwersten islamistischen Terroranschlag in Deutschland starben 12 Menschen, fast 70 wurden verletzt. Obwohl Amri als sogenannter Gefährder von Behörden beobachtet wurde und auch im Drogenmilieu aktiv war, konnte er sich weiter frei bewegen.

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Amri war bis zum Schluss als Einzeltäter unterwegs

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Der Terrorist wurde am 23. Dezember von der italienischen Polizei in Mailand erschossen.
© dpa, Daniele Bennati, kno

Nach Angaben des Sonderermittlers Jost kürzte und fälschte ein Kriminaloberkommissar am 19. Januar einen Bericht vom 1. November. Der Mann strich Mittäter von Amri im Drogenhandel und reduzierte die Vorwürfe. Jost betonte, mit den schwereren Vorwürfen wäre im November ein Haftbefehl und Inhaftierung für Amri möglich gewesen. Damals geschah aber nichts, die Kripo wurde nicht gegen Amri tätig. Durch die nachträgliche Änderung der Akte habe der Kriminaloberkommissar möglicherweise eigene Versäumnisse verschleiern wollen.

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft war Amri bis zum Schluss als Einzeltäter - ohne Komplizen in Deutschland - unterwegs. Das sagte der Karlsruher Bundesanwalt Thomas Beck im Innenausschuss. Es gebe keine Hinweise, dass der Terrorist in Deutschland Unterstützer gehabt habe, so Beck, der bei der Bundesanwaltschaft die Abteilung Terrorismus leitet. Vom Ausland aus sei er von Mitgliedern des sogenannten IS angeleitet worden.

Laut Beck hat der Attentäter sein Leben nicht über das Attentat hinaus geplant. Deswegen habe er auch sein Portemonnaie und zwei Handys bewusst am Tatort hinterlassen, um sich zur Tat zu bekennen. Möglicherweise habe Amri nicht damit gerechnet, den Anschlag selber zu überleben. Nach dem Attentat in Berlin wurde er auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen.